Über die Wurzeln des Terrorismus …

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„Die Wurzeln des Terrorismus … liegen nicht in diesem oder jenem Fehler der amerikanischen Außenpolitik, sondern in dem extremen Missbrauch in den Familien der Terroristen. Kinder, die zu islamischen Terroristen aufwachsen, sind ein Produkt eines frauenfeindlichen fundamentalistischen Systems“ Quelle: „Das emotionale Leben der Nationen„, Drava 2005, deutsch von Christian Lackner, ISBN 3-85435-454-1

„Wenn also nichts an den Kindheits-Ursprüngen ihrer Gewalttätigkeit getan wird, wird der islamistische #Terrorismus gegen den Westen in den kommenden Jahrzehnten sicherlich eskalieren.“ Zitat Huntington (1996), S. 257. Wie Recht er hatte, 1996. Und am 09.04.17?

Chronologie der Terroranschläge seit 2014:
Madrid – März 2004: Bei islamistisch motivierten Bombenanschlägen auf Pendlerzüge sterben in der spanischen Hauptstadt 191 Menschen, rund 1500 werden verletzt.

London – Juli 2005: Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der U-Bahn und in einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Moskau – Januar 2011: In der Ankunftshalle des Moskauer Flughafens Domodedowo sprengt sich am 24. Januar 2011 ein Selbstmordattentäter in die Luft. 37 Menschen sterben, mehr als hundert werden verletzt. Hinter der Tat stecken offenbar islamistische Terroristen um den tschetschenischen Rebellenführer Doku Umarow.

Brüssel – Mai 2014: Im Jüdischen Museum erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird er festgenommen. Als selbst ernannter „Gotteskrieger“ hatte er zuvor in Syrien gekämpft.

Paris – Januar 2015: Bei einem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt sterben 17 Menschen. Die beiden Täter kommen später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation al-Qaida. Hier: Anschlag auf Charlie Hebdo. Die Kindheit der Täter

Kopenhagen – Februar 2015: Ein arabischstämmiger 22-Jähriger feuert auf ein Kulturcafé, ein Mann stirbt. Vor einer Synagoge erschießt der Attentäter einen Wachmann, bevor ihn Polizeikugeln tödlich treffen.
Paris – November 2015: Bei einer koordinierten Anschlagsserie am Stade de France, mehreren Restaurants und dem Musikklub Bataclan töten IS-Anhänger 130 Menschen, Hunderte werden verletzt.

Istanbul – Januar 2016: Ein Selbstmordattentäter des IS zündet im historischen Zentrum mitten in einer deutschen Reisegruppe eine Bombe und reißt zwölf Deutsche mit in den Tod.

Brüssel – März 2016: Mit mehreren Bomben töten islamistische Attentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in einer Metrostation 32 Menschen.

Istanbul – Juni 2016: Drei Selbstmordattentäter sprengen sich am Istanbuler Flughafen Atatürk in die Luft. 41 Menschen werden getötet.

Nizza – Juli 2016: Ein Attentäter rast mit einem Lastwagen auf dem Strandboulevard in eine Menschenmenge. Mindestens 86 Menschen sterben. Der IS ist nach Angaben seines Verlautbarungsorgans Amak für den Anschlag verantwortlich.

Berlin – Dezember 2016: Kurz vor Weihnachten wird die Hauptstadt zum Ziel eines Terroranschlags. Zwölf Menschen kommen um, als ein IS-Anhänger einen gekaperten Lkw in einen Weihnachtsmarkt steuert. Wenige Tage später wird der 24 Jahre alte Tunesier bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.

Istanbul – 1. Januar 2017: Ein Attentäter erschießt in einem Nachtklub innerhalb von sieben Minuten 39 Menschen. Der „Islamische Staat“ (IS) bekennt sich zu dem Anschlag. Die türkische Polizei verhaftet den Usbeken Abdulkadir Mascharipow. Laut den Behörden erhielt Mascharipow seine Anweisungen direkt von einem IS-Kommandeur im syrischen Rakka.

Paris – Februar/März 2017: Auf dem Flughafen Orly versucht ein Mann, einer patrouillierenden Soldatin das Gewehr zu entreißen, und wird erschossen. Erst Anfang Februar war nahe dem Louvre-Museum ein Ägypter niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

London – 22. März 2017: Ein Attentäter steuert ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke im Zentrum Londons und ersticht anschließend einen Polizisten. Von den Opfern auf der Brücke sterben vier an ihren Verletzungen. Sicherheitskräfte erschießen den Täter.

St. Petersburg – 3. April 2017: Bei einem Selbstmordanschlag in der U-Bahn werden 14 Menschen getötet. Ein 22-jähriger, in Kirgisien geborener Russe soll den Selbstmordanschlag verübt haben. Auf den Resten der explodierten Tasche seien seine DNA-Spuren gefunden worden, melden Ermittler.

Stockholm – 7. April 2017: Ein gekaperter Lastwagen rast in einer Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus. Fünf Menschen werden getötet, 15 verletzt. Noch am selben Tag nimmt die Polizei einen 39-jährigen Usbeken unter Terrorverdacht fest.

Paris – 20. April 2017: Auf dem Pariser Boulevard Champs-Élysées schießt ein Islamist mit einem Sturmgewehr in einen Polizeiwagen. Ein Beamter wird getötet, zwei weitere Polizisten und eine deutsche Passantin werden verletzt. Die Polizei erschießt den Angreifer, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Attacke für sich.

Manchester – 22. Mai 2017: Bei einem Bombenanschlag auf ein Popkonzert in Manchester werden 22 Menschen getötet. Es gibt knapp 60 Verletzte, darunter viele Kinder und Jugendliche. Ein Mann bringt am Ende eines Popkonzerts von Teenie-Star Ariana Grande eine selbstgebaute Bombe zur Explosion.

London – 3. Juni 2017: Auf der London Bridge überfahren drei Attentäter mehrere Fußgänger, dann greifen sie eine beliebte Markthalle an. Mindestens sechs Menschen kommen ums Leben, die Angreifer werden getötet.

… Und welche Antworten hat die westliche Welt- und „Werte“-Gemeinschaft: Bomben und Krieg in Syrien, Irak, Afghanistan?

Die Führer der Welt- und Atommächte USA und Russland und China und Nordkorea handeln nicht menschlich gefühlvoll sondern spielen, insbesondere im Falle Syrien, mit ihren Muskeln und provozieren sich gegenseitig. Sie handeln wie kleine, zornige (therapiebedürftige) Kinder, nur sie spielen nicht mit Bauklötzen sondern fuchteln mit den Fingern an den Zündern zu den Atombomben.

= Die Welt steht wie noch nie in ihrer Geschichte kurz vor dem Abgrund.

Helfen kann im Falle Syrien kurzfristig nur die Hoffnung, dass die Verantwortlichen (ob Führer der Atommächte oder Gewalttäter, Terroristen) nicht durchdrehen.

Ferner kann man hoffen, dass die Waffen in Syrien schweigen, dass es zu Friedensverhandlungen kommt, das längerfristig Frieden herrscht und die Menschen wieder ihr Land aufbauen können.

UN-gesponsorter Marshall-Plan
Doch dem muss ein Präventionsprogramm folgen. Lloyd Demause sagt es präzise: „Man (sollte) … statt einen langen militärischen Feldzug zu führen, mit dem man viele unschuldige Menschen tötet und die Zahl der zukünftigen Terroristen erhöht, besser einen UN-gesponsorten Marshall-Plan unterstützen; einen, der sogar von Menschen vor Ort (wie den Frauen vom Revolutionären Frauenverband Afghanistans) geführte kommunale Eltern-Betreuungszentren einschließen könnte und für menschlichere Kindererziehung sorgt.

So dass die Menschen die Möglichkeit erhalten, sich über das missbräuchliche Familiensystem hinauszuentwickeln, das den Terrorismus erzeugt hat – genauso, wie wir den Marshall-Plan für die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben für die Familien, die den Nationalsozialismus hervorgebracht hatten. Lloyd Demause „Die Ursprünge des Terrorismus in der Kindheit“ , im Original: „The Childhood Origins of Terrorism„. Erscheint im Journal of Psychohistory.

Prävention
Mittel- und längerfristig müssen Traumatisierte behandelt und es muss an den Wurzeln der Gewalt in den Ländern gearbeitet werden; Gewalt gegen Kinder muss verboten, Opfern geholfen werden. Es gibt diverse Programme von Unicef, das bekannteste „Hidden in Plain Sight“.

Wären Menschen, die aus den Ländern kommen, wo Krieg und Terror herrscht, in ihren Gemeinschaften, in ihren Familien, gewaltfrei aufgewachsen, wären sie nicht religiösen Extremen beigetreten, und es stünde heute um unsere Welt besser.

Das mag naiv klingen, aber Gewalt in den Kindheiten den genannten Ländern und Kontinente sind die Grundlage für Terror, für Kriege.

Diese Gedanken und WAHRHEITEN werden von den meisten, ob Politiker oder einfache Menschen, selten anerkannt, meist überhört, verdrängt, oft belächelt, manchmal bekämpft.

Dabei sind die Zusammenhänge zwischen Gewalt-Erfahrungen in der Kindheit und späterer Gewalt-Ausbrüchen als (junge) Erwachsene längst erwiesen und gut erforscht. Zwar wird nicht jeder Mensch, der als Kind Gewalt erlitt, zum Terroristen oder anderer Gewalttäter, aber alleine die Möglichkeit, dass dieses möglich besteht, muss allen zu bedenken geben.

Und: Gewalterfahrungen in der Kindheit soll KEINE Rechtfertigung für Gewalttaten sein – aber mehr über die Kindheiten von späteren Tätern zu erfahren ist wichtig zur Präventionsarbeit. Je mehr Menschen, Erzieher, Eltern, Lehrer, Politiker und andere Verantwortlichen von Kindern über die Zusammenhänge von Gewalterfahrungen in der Kindheit und späteren Täterbiografien erfahren, um so größer ist die Chance, dass Taten verhindert werden können – und Frieden herrscht.

„Prügel sind zweifellos ein bewährtes Mittel, um den kindlichen Willen zu kontrollieren und Gehorsam zu erzwingen. Aber #Kindesmisshandlung ist gleichzeitig die sicherste Methode, um Gewalttätigkeit – von #Körperverletzung über Mord und Totschlag bis hin zu Bürgerkriegen und Krieg – von einer Generation zur nächsten zu `vererben`.“ (Michael Tsokos und Saskia Gudda – Rechtsmediziner)

Caroline Fetscher vom Tagesspiegel hat auch die politischen Dimensionen erfasst, die das gewaltige Ausmaß der Gewalt gegen Kinder bedeutet. Am Schluss ihres Textes schreibt sie:

„Waren Kinder es gewohnt, die Blitzableiter der Eltern zu sein, machen sie auch ihre Kinder zu Blitzableitern, und ganze Gruppen suchen sich für solche Funktionen „die Juden“, „die Zigeuner“, „die Ungläubigen“. Wo Gewalt gegen Kinder am meisten toleriert wird, gibt es Krisen und Kriege. Schon deshalb müsste die Präventionsrendite Politiker brennend interessieren.“ Quelle: Tagesspiegel: http://bit.ly/2oWDe0o

Brutstätten der Gewalt: patriarchale Erziehung & „islamistische Ideologie“ // „Warum wir Muslime uns kritische Fragen stellen müssen“

Ahmad Mansour, Psychologe und Buchautor, kritisiert eine „islamistische Ideologie“, die bei Muslimen auch in Deutschland „sehr weit verbreitet“ sei (wie in  der „Ablehnung der westlichen Kultur, die Verteufelung unserer Grundrechte, bestimmte Opfer- und Feindbilder“) .  Das bekäme man „nicht nur in manchen Moscheen oder bei Salafisten gelehrt“ sondern sei schon „in der patriarchalen Erziehung angelegt“.

Muslimische Communities seien hier kritisiert und gefordert zu handeln: Sie müssen zu einem demokratischen, humanistischen Islam finden, der ohne Wenn und Aber hinter den Menschenrechten steht. Quelle: NTV

Ahmad Mansour findet (wieder) die richtigen Worte.  Ja, es muss heißen: „Warum wir Muslime uns kritische Fragen stellen müssen“. Aber nach einer „Welle der Solidarität und Anteilnahme“, die „wenn sie abgeflaut ist“, in Normalität wandelt und die Angst und die schrecklichen Gedanken verdrängt werden, MUSS gehandelt werden. Auf Worte kritischer Muslime von Ahmad Mansour und anderer, deren Worte ich sehr genau beobachte und für gut heiße, MÜSSEN Handlungen folgen.
An dem Terror und den Ursachen trägt jeder Verantwortung nicht nur die Politik, er entsteht in den Familien und das weltweit und verstärkt in Europa und den afrikanischen und arabischen Ländern und: Gewalt gegen Kinder ist die Hauptursache, es folgt soziale Ausgrenzung, materielle Zersetzung und Depression. Alles – in Deutschland – Nährboden und Fressen für Salafisten, Korrekt, wenn Mansur, bezogen auf Deutschland, schreibt: Eine „Mischung aus Hass-Ideologie und Verachtung des Lebens produziert Selbstmordattentäter

Und was folgt?
„Nach jedem Anschlag diskutieren wir über Ursachen und Gründe, darüber wie aus Jugendlichen, die meistens bei uns aufgewachsen sind, Täter werden konnten und suchen nach Theorien, um uns das Unfassbare zu erklären.“

.. und:

„Salafisten erkennen Zeitfenster für Radikalisierung besser als Sozialarbeiter. Dies erkennen Salafisten mittlerweile sogar besser als unsere Sozialarbeiter und dort setzen sie gezielt an“, schreibt Ahmad Mansour.
Und was tun die Sozialarbeiter?

Bei allen Respekt für die Arbeit: es läuft offenbar was schief, kann man nicht erkennen oder will man nicht erkennen, woher die potenziellen späteren Täter, die zuvor AUCH OPFER WAREN, kommen, oder kann man sie nicht erkennen? Was läuft schief? Kann man, um es hart zu nennen, nicht auch hier von einem Versagen reden? Das deutsche Kinder- und Jugendhilfesystem versagt bereits, dass konnten die Gerichtsmediziner Tsokos und Guddat nachweisen („Deutschland misshandelt seine Kinder“).
200.000 Kinder und Jugendliche werden Jahr für Jahr in Deutschland schwer oder schwerst misshandelt (in allen Schichten, in allen Kulturen und Religionen) – und fast die Hälfte von ihnen, die zuvor geschlagen, gedemütigt wurden, können später ins Kriminelle abgleiten – wird ihnen, dern Opfern, nicht frühzeitig geholfen – oder spätestens als Jugendliche. Wir haben es in Deutschland nicht nur mit der Generation Allah zu tun sondern auch der „Generation Kevin“ (lt. Tsokos und Guddat nachweisen; „Deutschland misshandelt seine Kinder“).
Nein, nicht jedes misshandelte Kind, welcher Kultur auch immer, wird zum Terroristen und Mörder, aber alleine die Möglichkeit das einer (oder mehrere) von 200.000 zum Mörder, Terroristen wird, weil er sein erlittenes Trauma nich aufarbeiten konnte und bei anderen, Unschuldigen ausagiert, ist zu viel und sollte uns zu Denken geben.
Es gibt viel zu tun in Deutschland, wir müssen handeln, wollen wir nicht dem Terror als Alltag erleben. Dieses Tun dauert mindestens zwei Generationen – über diese Dimensionen müssen wir uns im Klaren sein – und: dieses Tun macht kein Halt vor den deutschen Grenzen. Wir brauchen ein Schutzprogramm für Kinder und Jugendliche – weltweit. Unicef`* bietet solche Programme an.

Über den Autor

Willi Schewski
Seit 2008: mobile journalist, Multimedia Storyteller. Mobiler Reporter. Fotojournalist. Fotograf. Blogger