Über die Wurzeln des Terrorismus …

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„Die Wurzeln des Terrorismus … liegen nicht in diesem oder jenem Fehler der amerikanischen Außenpolitik, sondern in dem extremen Missbrauch in den Familien der Terroristen. Kinder, die zu islamischen Terroristen aufwachsen, sind ein Produkt eines frauenfeindlichen fundamentalistischen Systems“ Quelle: „Das emotionale Leben der Nationen„, Drava 2005, deutsch von Christian Lackner, ISBN 3-85435-454-1

„Wenn also nichts an den Kindheits-Ursprüngen ihrer Gewalttätigkeit getan wird, wird der islamistische Terrorismus gegen den Westen in den kommenden Jahrzehnten sicherlich eskalieren.“ Zitat Huntington (1996), S. 257. Wie Recht er hatte, 1996. siehe
Liste terroristischer Ereignisse (Islamischer Staat) sowie die Liste von Terroranschlägen (unvollständige Auswahl von Terroranschlägen).

… Und welche Antworten hat die westliche Welt- und „Werte“-Gemeinschaft: Bomben und Krieg in Syrien, Irak, Afghanistan?

Die Führer der Welt- und Atommächte USA und Russland und China und Nordkorea handeln nicht empathisch sondern spielen, insbesondere im Falle Syrien, mit ihren Muskeln und provozieren sich gegenseitig. Sie handeln wie kleine, zornige (therapiebedürftige) Kinder, nur sie spielen nicht mit Bauklötzen sondern fuchteln mit den Fingern an den Zündern zu den Atombomben.

= Die Welt steht wie noch nie in ihrer Geschichte kurz vor dem Abgrund.
Helfen kann im Falle Syrien kurzfristig nur die Hoffnung, dass die Verantwortlichen (ob Führer der Atommächte oder Gewalttäter, Terroristen) nicht durchdrehen. Und: dass die Waffen in Syrien schweigen, dass es zu Friedensverhandlungen kommt, das längerfristig Frieden herrscht und die Menschen wieder ihr Land aufbauen können.

UN-gesponsorter Marshall-Plan
Doch dem muss ein Präventionsprogramm folgen. Lloyd Demause sagt es präzise: „Man (sollte) … statt einen langen militärischen Feldzug zu führen, mit dem man viele unschuldige Menschen tötet und die Zahl der zukünftigen Terroristen erhöht, besser einen UN-gesponsorten Marshall-Plan unterstützen; einen, der sogar von Menschen vor Ort (wie den Frauen vom Revolutionären Frauenverband Afghanistans) geführte kommunale Eltern-Betreuungszentren einschließen könnte und für menschlichere Kindererziehung sorgt.

So dass die Menschen die Möglichkeit erhalten, sich über das missbräuchliche Familiensystem hinauszuentwickeln, das den Terrorismus erzeugt hat – genauso, wie wir den Marshall-Plan für die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben für die Familien, die den Nationalsozialismus hervorgebracht hatten. Lloyd Demause „Die Ursprünge des Terrorismus in der Kindheit“ , im Original: „The Childhood Origins of Terrorism„. Erscheint im Journal of Psychohistory.

Prävention
Mittel- und längerfristig müssen Traumatisierte behandelt und es muss an den Wurzeln der Gewalt in den Ländern gearbeitet werden; Gewalt gegen Kinder muss verboten, Opfern geholfen werden. Es gibt diverse Programme von Unicef, das bekannteste „Hidden in Plain Sight“.

Wären Menschen, die aus den Ländern kommen, wo Krieg und Terror herrscht, in ihren Gemeinschaften, in ihren Familien, gewaltfrei aufgewachsen, wären sie nicht religiösen Extremen beigetreten, und es stünde heute um unsere Welt besser.

Gewaltvolle Kindheiten den genannten Ländern und Kontinente sind die Grundlage für Terror, für Kriege. Diese Gedanken und WAHRHEITEN werden von den meisten, ob Politiker oder einfache Menschen, selten anerkannt, meist überhört, verdrängt, oft belächelt, manchmal bekämpft.

„Die arabischen Länder stehen in der Tradition letztlich noch mittelalterlicher Strukturen“
Der Psychoanalytiker und ärztlicher Psychotherapeut Dr. med. Ludwig Janus hat 2015 eine aufklärenden Aufsatz „Überlegungen zum Syrienkonflikt aus psychohistorischer Perspektive“ geschrieben. Unter der Überschrift „Konfliktanalyse unter Bezug auf die gesellschaftlichen Strukturen“, meint Janus: „Die arabischen Länder stehen in der Tradition letztlich noch mittelalterlicher Strukturen, wie sie das Osmanische Reich bis 1918 manifest und die Nachfolgestaaten latent bestimmten. Ausdruck dessen waren die teilweise noch monarchischen und dann überwiegend diktatorischen Regime, die der autoritätsgebundenen Mentalität der jeweiligen Bevölkerung entsprachen.

(…) Die autoritären Strukturen sind, wie die Forschungen von Lloyd deMause (1979, 2002, s. auch Janus 2006) u.a. gezeigt haben, die Folge von Gewalt in der Erziehung und Unterdrückung der Sexualität. Die weite Verbreitung der Prügelstrafe in den arabischen Ländern hat ein Bericht von UNICEF (2014) im Einzelnen belegt. Die Zusammenhänge sind heute auf einer empirischen Ebene durch die Forschung des Kriminologen Christian Pfeiffer (2015) eindeutig belegt.

Programme für eine verständige Elternschaft und das Verbot der Prügelstrafe können die Tendenz zu autoritärem Verhalten und die Gewaltneigung nachhaltig vermindern (Pfeiffer 2015).

Die Unterdrückung der Frauen und die Gewalt in der Erziehung verhindern die Entwicklung einer selbstreflexiven Identität, die Voraussetzung für demokratische Strukturen ist. Dies wiederum ist ein Hintergrund für einen uneinfühlsamen und außengesteuerten Umgang mit den Kindern, was wiederum ein Hintergrund für das apokalyptische Denken in den Kategorien von „absolut gut“ und „absolut böse“ ist.

Die moralische Entwicklung wird auf der Stufe des Folgsamkeitsgewissens eingefroren (Kohlberg 1996). Verschlimmert wurde die Situation in den arabischen Ländern durch einseitige, rein an den eigenen Macht- und Wirtschaftsinteressen orientierte Eingriffe von russischer und amerikanischer Seite, die konstruktive Entwicklungen in einzelnen Ländern blockierten.Quelle

Die Zusammenhänge zwischen Gewalt-Erfahrungen in der Kindheit und späterer Gewalt-Ausbrüchen als (junge) Erwachsene sind ausführlich erforscht. Zwar wird nicht jeder Mensch, der als Kind Gewalt erlitt, zum Terroristen oder anderer Gewalttäter, aber alleine die Möglichkeit, dass dieses möglich besteht, muss allen zu bedenken geben.

Gewalterfahrungen in der Kindheit sollen keine Rechtfertigung für Gewalttaten sein – aber mehr über die Kindheiten von späteren Tätern zu erfahren ist wichtig zur Präventionsarbeit. Je mehr Menschen, Erzieher, Eltern, Lehrer, Politiker und andere Verantwortlichen von Kindern über die Zusammenhänge von Gewalterfahrungen in der Kindheit und späteren Täterbiografien erfahren, um so größer ist die Chance, dass Taten verhindert werden können – und Frieden herrscht.

„Prügel sind zweifellos ein bewährtes Mittel, um den kindlichen Willen zu kontrollieren und Gehorsam zu erzwingen. Aber #Kindesmisshandlung ist gleichzeitig die sicherste Methode, um Gewalttätigkeit – von #Körperverletzung über Mord und Totschlag bis hin zu Bürgerkriegen und Krieg – von einer Generation zur nächsten zu `vererben`.“ (Michael Tsokos und Saskia Gudda – Rechtsmediziner)

Prof. Michael Tsokos hat am 06.01.2015 zum Thema „Deutschland misshandelt seine Kinder“ eine Vorlesung an der FU Berlin gehalten
Fakten: Jede Woche werden in Deutschland drei Kinder zu Tode misshandelt. Diese Kinder sind nicht etwa Opfer von Verkehrsunfällen, häuslichen Unfällen oder schweren Erkrankungen. Nein – sie werden zu Tode getreten, erschlagen, ertränkt, verbrannt. Und das ist nur die offizielle Statistik.

Die Deutsche Kinderchirurgische Gesellschaft geht offiziell sogar von 700 Säuglingen aus, die jedes Jahr in Deutschland von Ihren Eltern, deren neuen Lebenspartnern oder ihren Pflegeeltern getötet werden. In seinem Vortrag beschäftigt sich Prof. Tsokos, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Charité, aus der Perspektive der Rechtsmedizin mit einem Tabuthema, von dem man denken sollte, dass es eigentlich jeden angeht, bei dem aber fast jeder wegsieht. Dieser Beitrag thematisiert ein kollektives Versagen.

Caroline Fetscher vom Tagesspiegel hat die politischen Dimensionen erfasst, die das gewaltige Ausmaß der Gewalt gegen Kinder bedeutet. Am Schluss ihres Textes schreibt sie: „Waren Kinder es gewohnt, die Blitzableiter der Eltern zu sein, machen sie auch ihre Kinder zu Blitzableitern, und ganze Gruppen suchen sich für solche Funktionen „die Juden“, „die Zigeuner“, „die Ungläubigen“. Wo Gewalt gegen Kinder am meisten toleriert wird, gibt es Krisen und Kriege. Schon deshalb müsste die Präventionsrendite Politiker brennend interessieren.“ Quelle: Tagesspiegel: http://bit.ly/2oWDe0o

Brutstätten der Gewalt: patriarchale Erziehung & „islamistische Ideologie“ // „Warum wir Muslime uns kritische Fragen stellen müssen“

Ahmad Mansour, Psychologe und Buchautor, kritisiert eine „islamistische Ideologie“, die bei Muslimen auch in Deutschland „sehr weit verbreitet“ sei (wie in  der „Ablehnung der westlichen Kultur, die Verteufelung unserer Grundrechte, bestimmte Opfer- und Feindbilder“) .  Das bekäme man „nicht nur in manchen Moscheen oder bei Salafisten gelehrt“ sondern sei schon „in der patriarchalen Erziehung angelegt“.

Muslimische Communities seien hier kritisiert und gefordert zu handeln: Sie müssen zu einem demokratischen, humanistischen Islam finden, der ohne Wenn und Aber hinter den Menschenrechten steht. Quelle: NTV

Ahmad Mansour findet (wieder) die richtigen Worte.  Ja, es muss heißen: „Warum wir Muslime uns kritische Fragen stellen müssen“. Aber nach einer „Welle der Solidarität und Anteilnahme“, die „wenn sie abgeflaut ist“, in Normalität wandelt und die Angst und die schrecklichen Gedanken verdrängt werden, MUSS gehandelt werden. Auf Worte kritischer Muslime von Ahmad Mansour und anderer, deren Worte ich sehr genau beobachte und für gut heiße, MÜSSEN Handlungen folgen.

An dem Terror und den Ursachen trägt jeder Verantwortung nicht nur die Politik, er entsteht in den Familien und das weltweit und verstärkt in Europa und den afrikanischen und arabischen Ländern und: Gewalt gegen Kinder ist die Hauptursache, es folgt soziale Ausgrenzung, materielle Zersetzung und Depression. Alles – in Deutschland – Nährboden und Fressen für Salafisten, Korrekt, wenn Mansur, bezogen auf Deutschland, schreibt: Eine „Mischung aus Hass-Ideologie und Verachtung des Lebens produziert Selbstmordattentäter

Und was folgt?
„Nach jedem Anschlag diskutieren wir über Ursachen und Gründe, darüber wie aus Jugendlichen, die meistens bei uns aufgewachsen sind, Täter werden konnten und suchen nach Theorien, um uns das Unfassbare zu erklären.“

.. und: „Salafisten erkennen Zeitfenster für Radikalisierung besser als Sozialarbeiter. Dies erkennen Salafisten mittlerweile sogar besser als unsere Sozialarbeiter und dort setzen sie gezielt an“, schreibt Ahmad Mansour.

Und was tun die Sozialarbeiter?
Es läuft offenbar was schief, kann man nicht erkennen oder will man nicht erkennen, woher die potenziellen späteren Täter, die zuvor AUCH OPFER WAREN, kommen, oder kann man sie nicht erkennen? Was läuft schief? Kann man, um es hart zu nennen, nicht auch hier von einem Versagen reden? Das deutsche Kinder- und Jugendhilfesystem versagt bereits, wie die Gerichtsmediziner Tsokos und Guddat nachweisen konnten („Deutschland misshandelt seine Kinder“).

200.000 Kinder und Jugendliche werden Jahr für Jahr in Deutschland schwer oder schwerst misshandelt (in allen Schichten, in allen Kulturen und Religionen) – und fast die Hälfte von ihnen, die zuvor geschlagen, gedemütigt wurden, können später ins Kriminelle abgleiten – wird ihnen, dern Opfern, nicht frühzeitig geholfen – oder spätestens als Jugendliche. Wir haben es in Deutschland nicht nur mit der Generation Allah zu tun sondern auch der „Generation Kevin“ (lt. Tsokos und Guddat nachweisen; „Deutschland misshandelt seine Kinder“).

Nein, nicht jedes misshandelte Kind, welcher Kultur auch immer, wird zum Terroristen und Mörder, aber alleine die Möglichkeit das einer (oder mehrere) von 200.000 zum Mörder, Terroristen wird, weil er sein erlittenes Trauma nicht aufarbeiten konnte und bei anderen, Unschuldigen ausagiert, ist zu viel und sollte uns zu Denken geben.

Es gibt viel zu tun, nicht nur in Deutschland, weltweit. Wir müssen handeln, wollen wir nicht dem Terror als Alltag erleben. Dieses Tun dauert mindestens zwei Generationen – über diese Dimensionen müssen wir uns im Klaren sein – und: dieses Tun macht kein Halt vor den deutschen Grenzen. Wir brauchen ein Schutzprogramm für Kinder und Jugendliche – weltweit. Unicef`* bietet solche Programme an.

Dabei gibt es Hoffnung machende Projekte, wie von der deutschen Hilfsorganisation Wadi:

Über den Autor

Willi Schewski
Seit 2008: mobile journalist, Multimedia Storyteller. Mobiler Reporter. Fotojournalist. Fotograf. Blogger