Profitipp: „Handbuch des Fotojournalismus: Geschichte, Ausdrucksformen, Einsatzgebiete und Praxis“

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Am 15. Oktober 2015 ist im dpunkt.verlag GmbH das 440 Seiten starke „Handbuch des Fotojournalismus: Geschichte, Ausdrucksformen, Einsatzgebiete und Praxis“ erschienen. Das Werk ist als Festeinband sowie E-Book zu erwerben. Als Zielgruppe seien Fotografen (Profis und Amateure), Fotojournalisten (in der Ausbildung), Bild- und Textredakteure, Journalisten genannt. Aber auch Blogger, die fotojournalistisch arbeiten (wollen), bietet das Buch eine Lektüre zum Lernen und Weiterbilden. Warum es sich lohnt, dass Buch zu erwerben, werde ich hier erläutern.

Die beiden Autoren *Prof. Lars Bauernschmitt und**Michael Ebert kommen vom Fach, sie lehren u.a. an der Hochschule Hannover im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie. Prof. Lars Bauernschmitt fundierte zudem fünfzehn Jahre lang als Geschäftsführer der Fotoagentur VISUM und kennt das Geschäft der Agenturfotografie aus dem Effeff.

Bauernschmitts und Eberts „Handbuch des Fotojournalismus“ darf man als Standartwerk bezeichnen, geben die beiden Autoren doch dem Leser alles an die Hand, was für den professionellen Einsatz als Fotojournalisten wichtig ist.

Was bietet das Buch?
Das Buch gliedert sich in 17 Kapitel. Die Autoren beginnen in den ersten drei Kapiteln mit einem Abriss der Geschichte des Bild- bzw. Fotojournalismus ( „Die frühen Pioniere“, „Das erste goldene Zeitalter des Fotojournalismus“ und „Die Ära der großen Bilder“). Neben Geschicke und Geschichten der Fotografen gibt es Annekdoten, Interviews mit Machern sowie hervorragende Fotostrecken.

In den weiteren Kapiteln (4 bis 13) geht es ins Eingemachte und Praktische: Der Leser erhält Kenntnisse über Ausdrucksformen und Sujets und zeigt, was dieses aufzeichnen und wie diese erstellt werden, er erhält Infos über die Ausrüstung (Kameras, Objektive, Hardware und Software im Fotojournalsimus).

Kapitel 4 zeigt die „Bildjournalistischen Ausdrucksformen und- Mittel“ auf. Was zeichnet eine Fotoreportage, eine Serie, einen Essay und eine Bildstrecke aus? Es werden Beispiele von Fotografien und Reportagen gezeigt, die Geschichte schrieben und in den großen Zeitschriften und Zeitungen abgedruckt wurden: und, die die Welt ein auch ein bisschen verbesserten.

In den Kapiteln 5 bis 11 geht es um die fotografischen Sujets:
Lokaljournalismus; Sportfotografie; Kriegsfotografie; Paparazzi; Politik; Fotojournalismus in PR- und Öffentlichkeitsarbeit; Natur- und Wissenschaftsfotografie.


Kapitel 14 beschäftigt sich mit dem „Bildermarkt – Fotos als Ware“, zeigt u.a. „Marktsegmente auf (die für jeden Fotografen, die Geld verdienen wollen wichtig sind) und schließt die Frage ein: Was muss man als zuküftiger Fotojournalist investieren und was kommt auf einem zu (Administratives).

Im 15. Kapitel geht es um eine mögliche Einnahmequelle und Partnerschaft: „Die Zusammenarbeit von Fotograf und Bildagentur“.

Ein ganzes Kapitel (dem 16.) ist dem wichtigen Thema „Markt/Fotojournalismus und Recht“ gewidmet.

Das letzte (17.) Kapitel schließt mit dem leidigen Thema „Perspektiven / Gedanken zur Zukunft des Fotojournalismus.

Fazit des Verfassers:

Die Kapitel 4 bis 11 haben ihm sehr gefallen und er fand Inspirationen für seine Arbeit. Die beiden Autoren machen es aber dem Leser, der sich selbstständig machen will, nicht leicht: Investitionen für Technik von mind. 15.000 Euro sind üblich. Auch in punkto „harter Konkurrenz“, sinkende Honorare, Krise der Agenturen und Verlage, werden schonungslos aufgetischt. So endet das Buch mit einer nüchternen Tatsache: Nur wenige können in der Fotojournalistenszene von den Einnahmen „leben“, es wird auch „keine Prognose“ und „kein Fazit“ postuliert.

Ebenso vermisst der Verfasser Kritisches über das Image des Berufes: das Geschreie über „Lügenpresse“, die zuweilen krude Rechthaberei von Fotografierte (auf Demos) die Angriffe auf Fotojournalisten in Deutschland, die immer schwierigeren Arbeitsbedingungen – und: die fehltende Anerkennung durch Redaktionen, Leser und Nutzer der Fotos. Insbesondere investigativ arbeitende und freie Fotojournalisten geraten ins Kreuzfeuer falscher Kritik; sind es doch gerade diese Fotojournalisten, die einen Teil dazu beitragen, dass Meinungsbildung möglich ist und die Demokratie erhalten – und weiter kontrolliert bleibt.

Weiter findet es der Verfasser schade, dass dem Kapitel „Eigenverlag“, Eigenmarketing, Akquise/Vertrieb sowie „mobiles Blogging / Reporting“ und vor allem dem Multimedia Storytelling wenig Raum geboten wurde. Gerade letzgenannte Elemente („mobiles Blogging / Reporting“, „Multimedia Storytelling“) böten neue Aufgaben und Einnahmenquellen und den Nutzern neue Perspektiven der Geschichtenerzählung und Nutzungsmöglichkeiten (auf Tablets und dem Smartphone).

Unter dem Strich erhält der Leser dennoch ein starkes Buch, er kann hervorragende Fotos genießen (die man sicher hi und da schon mal gesehen hat) und erhält Informationen an die Hand, die es so kaum bisher in einem Buch über Fotojournalismus zu finden gab.

Über die Zukunft des Berufes und seine neuen Chancen kann man streiten. Es ist aber immer noch positiver, die Fakten über den Berufsstand zu nennen, statt zu schweigen. Und eines bietet der Beruf des Fotojournalisten definitiv: Abwechslung, Spannung, Geschichten und Geschicke und Freude. Den beiden Autoren sei Dank für den intimen und intensiven Blick hinter die Kulissen und der Geschichte des Fotojournalismus. Der Verfasser kann dieses Werk nur empfehlen!

Über die Autoren:
*Prof. Lars Bauernschmitt, geboren 1963 in Hamburg, studierte Kommunikationsdesign mit den Schwerpunkten Fotografie und Editorial Design an der Universität Gesamthochschule Essen (Folkwang Schule) und Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen. Von 1993 bis 2008 war er Geschäftsführer der Fotoagentur VISUM. Daneben war er von 2001 bis 2010 Mitglied des Vorstandes des Bundesverbandes professioneller Bildanbieter (BVPA), ab 2003 als Vorstandsvorsitzender.
Seit 2008 ist er Professor für Fotojournalismus an der Hochschule Hannover, seit 2011 Sprecher des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie. Daneben ist er Mitglied verschiedener Gremien und Jurys sowie als Berater für Bildagenturen, Lehrbeauftragter an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Fachautor tätig.

**Michael Ebert arbeitete seit 1978 als Fotojournalist für Zeitungen, Magazine und die Wirtschaft. Von 1990 bis 1996 war er im zentralen Kommunikationsbereich der Deutschen Telekom AG für Fotografie verantwortlich. In den letzten Jahren hat er außerdem zahlreiche Foto-Ausstellungen kuratiert, unter anderem von Will McBride, Letizia Battaglia und dem zweifachen Pulitzerpreisträger Horst Faas, dessen Nachlass er inzwischen auch betreut.
Michael Ebert ist im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) und Mitglied in diversen Jurys und Gremien. Seit 2008 unterrichtet er Bildjournalismus an der Hochschule Magdeburg und seit 2013 auch an der Hochschule Hannover im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie.

Lars Bauernschmitt / Michael Ebert
Handbuch des Fotojournalismus
ein dpunkt.plus-Buch
Geschichte, Ausdrucksformen, Einsatzgebiete und Praxis

440 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband

ISBN: 978-3-89864-834-9

Leseproben und Links
10 Der Bildermarkt – Fotos als Ware; Alles nur eine Frage des Geldes (Kapitelauszug) (PDF)
1 Vorwort (PDF)
2 Widmung (PDF)
3 Inhaltsverzeichnis (PDF)
5 Die Ära der großen Bilder (Kapitelausschnitt) (PDF)
6 Bildjournalistische Ausdrucksformen und -mittel (PDF)
7 Printmedien im Wandel (Kapitelauszug) (PDF)
8 Krieg und Krise – der Tod als ständiger Begleiter (Kapitelauszug) (PDF)
9 Fünf Fragen an Gerd Ludwig (Kapitelauszug) (PDF)

Weitere Rezensionen zum Thema:

Rezension zu „Fotojournalismus“ von Julian J. Rossig

 

Über den Autor

Willi Schewski
Seit 2008: mobile journalist, Multimedia Storyteller. Mobiler Reporter. Fotojournalist. Fotograf. Blogger

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