Schutz vor Terroranschlägen & Amok: Poller in Flensburg? Warum nicht?

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Die Diskussion ist nach den Verbrechen an unschuldige Menschen auf öffentlichen Plätzen in Berlin, Nizza, Barcelona, Münster und jetzt in Toronto* wieder entbrannt: Sollen in deutschen Innenstädten mobile Anti-Terror-Poller oder ähnliche Barrikaden errichtet werden, um die Menschen vor Terroristen oder Amokläufern zu schützen, die mit PKWs und LKWs Unschuldige niederwalzen?

Vor einigen Monaten gab es, bezogen auf Flensburger Verhältnisse, einen Vorstoß der FDP (Kay Richert)*. Die meinte,  versenkbare Poller seien „Maßnahmen gegen Terror“. Der Verfasser unterstützt die Forderung der Flensburger FDP*.

Einige Kommentatoren sprachen von „Übertreibung“, „Panikmache“ (was noch die harmlosen waren) angeblichen Beleidigungen etc. (mehr dazu weiter unten!);

Es sei vorgehalten, dass von einer „Übertreibung“ überhaupt nicht die Rede sein kann:

In Rotterdam musste 2017 ein Konzert wegen Terrorgefahr abgesagt werden; in Barcelona konnte ein großer Anschlag, der unter Umständen hunderte Tote hätte verursachen können, „nur“ durch fahrlässiges Verhalten der mutmaßlichen Täter nicht durchgeführt werden, weil die Leute selbst in die Luft flogen.

Oktober 2017 ist in Schwerin ein Syrer unter dringendem Terrorverdacht festgenommen worden. Nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière konnte durch den Zugriff ein „schwerer Terroranschlag in Deutschland“ verhindert werden. Seit 2002 konnten in Deutschland mindestens neun Anschläge verhindert werden.

Positiv: Die Möglichkeit Opfer eines Terroraktes in Deutschland zu werden, ist verschwindend gering und liegt angesichts der Gesamtbevölkerung in Europa im Promille-Bereich. Aber: Deutschland gehört laut Global-Peace-Index-2017 nur auf Platz 16 von den 20 sichersten Ländern der Welt. Kein berauschender Wert. „Deutschland ist bedroht: Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen“, berichtet die Journalistin, Politikerin und Aktivistin Düzen Tekkal in ihrem Buch aus dem Jahre 2016.

Doch zurück zur Sicherheit in Flensburg:  Auch wenn es unangenehm ist, wir sollten die Innenstadt „sicherer“ machen, ein Schutz vor Terroristen und Amokläufern, die mit PKW oder LKW in die Innenstadt rasen und Menschen niederwalzen, muss gewährt werden. Die Stadt Flensburg muss handeln. Andere tun es auch.

Oberbürgermeisterin Simone Lange hätte demgegenüber Bedenken. Dem Flensburger Tageblatt sagte sie im August 2017, das das Thema „nicht neu“ sei: `Nach dem Anschlag in Berlin standen wir schon einmal vor der Frage, ob man zum Schutz der Menschen nicht auch in Flensburg Maßnahmen gegen mögliche Angriffe mit Fahrzeugen ergreifen müsste.` Hindernisse aus Beton, die man am Rand der Fußgängerzone positioniere, seien nur eine halbherzige Lösung. Die könne ein Lkw beiseite schieben. Hindernisse müssten also nicht nur ausreichend groß sein, sondern auch fest im Boden verankert werden. Entsprechend aufwendig und teuer seien sie. – Quelle: https://www.shz.de/17682606 ©2017

Es sei die Frage gestellt: Wenn auf dem Gelände der Leihverkehrs- und Ergänzungsbibliothek in der Waitzstraße 5 möglich ist (siehe Foto oben), Gelände und Parkräume – übertrieben wie der Verfasser meint – zu sichern und dafür Geld zu investieren, dann darf doch auch gefragt werden, warum ist dieses nicht in der Innenstadt möglich? Geld sollte keine Frage in Sachen Sicherheit der Bürger als Argument gelten. Der Verfasser fordert nun eine unemotionale, sachliche Diskussion über dieses Thema.

Lesen wir hier den Vorschlag der Flensburger FDP: „Wir müssen auch bei uns in Flensburg darüber nachdenken, wie wir die Fußgängerzonen gegen entsprechende Angriffe von Terroristen optimieren können. Deshalb beantragen wir, die FDP-Ratsfraktion in Flensburg, im Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung am 5. September, dass die Verwaltung der Stadt Flensburg in Zusammenarbeit mit der Polizei das Sicherheitskonzept etwa am Nordermarkt, Große Straße, Holm und Südermarkt überprüfen möge.

Die feige Anschlägen … zeigen, dass sich der islamistisch motivierte Terrorismus insbesondere darauf konzentriert, Ziele in den Innenstädten zu attackieren. Wir regen deshalb an, entsprechende Baumaßnahmen wie etwa versenkbare Fahrzeugsperren – wie hier auf dem Foto in Scharbeutz – zu errichten. Sicherheit ist eben mehr als nur ein Gefühl.“

Nach dem Verbrechen von Münster und Toronto wird die Diskussion wieder aktiver:
Innenminister Seehofer wolle mehr Poller in Deutschlands Innenstädten errichten, um mehr Sicherheit zu gewährleisten. Seine Idee stößt auf Zustimmung. Volker Ullrich, innenpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe, sagte „Bild“: „Poller helfen in der Tat, belebte Plätze und größere Festivitäten zu schützen. Nur leider kann nicht jeder Anfahrtswinkel in einer Stadt völlig mit Barrieren eingeengt werden.“

Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz sagte „Bild“: „Hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben, aber wir müssen mit Augenmaß die Sicherheit verbessern, wo das verhältnismäßig möglich ist. Mit einem Zupollern der Innenstädte ist es sicherlich nicht getan. Wir brauchen ein breites Konzept von einer Verschärfung des Waffenrechts bis zur Frage der Verkehrsführung in Innenstädten.“ Anti-Terror-Poller von Braun Antriebe brächten nach Werbeversprechen „mehr Sicherheit! Mit 30 Millimetern Wandstärke halten diese Poller nahezu jedem Aufprall stand.“

Ellen Kittel-Wegner, Grüne Fraktionsvorsitzende in Flensburg ließ über die Grünen-Webseite zum Richert-Vorschlag verlautbaren: „Genau wie schwarze Sheriffs helfen Poller kein Stück gegen islamistischen Terror.“ Die Lage der Flensburger Fußgängerzone an sich mache einen Terrorangriff mit Lkw sehr unwahrscheinlich – deshalb seien versenkbare Poller überflüssig. „Davon ausgehend, dass sie dann versenkt werden müssten, wenn Markttage oder Stadtfeste sind, ist dieser Vorschlag darüber hinaus absolut sinnfrei – und in unseren Augen ein weiterer Versuch der FDP, ein diffuses Unsicherheitsgefühl bei Einwohnern zu schüren. „Populistische und wiederkehrende Schnellschüsse von ’liberalen’ Hilfssheriffs brauchen wir nicht.“ –

Helmut Trost (SPD): „Es ist ein Irrtum zu glauben, durch bauliche Aufrüstung Attentate verhindern zu können.“ Der Terror suche sich seine Angriffspunkte, entscheide immer neu, wie und wo er zuschlägt. „Selbst wenn wir alle Fußgängerzonen dieser Welt verbarrikadieren, werden wir die Menschen nicht vor dem Terror schützen können – so bitter diese Erkenntnis auch ist.“ – Quelle: https://www.shz.de/17682606 ©2018

Weitere Reaktionen auf den Richard-Vorschlag (Quelle: Facebook):

Was sagt der Experte?
Dekra-Sachverständiger Marcus Gärtner sagte gegenüber T-Online, dass „fest installierte Poller, wie man sie zum Beispiel vom Flughafen kennen“ wirksam, aber auch aufwendig seien. „Für sie gibt es Richtlinien für Anpralltests. Ihr Fundament reicht dabei bis zu zwei Meter tief in die Erde. Solche Poller bringen einen Lkw beinahe sofort zum Stehen. Hier gibt es aber ein ganz anderes Problem: Der Lkw steht, aber sein Fahrerhaus reißt ab und schlägt eventuell in eine Menschenmenge hinein.“ Quelle: T-Online

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Über den Autor

Willi Schewski
Seit 2008: mobile journalist, Multimedia Storyteller. Mobiler Reporter. Fotojournalist. Fotograf. Blogger

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