Norbert Denef (Sprecher des Opferverbandes „NetzwerkB“) schwer erkrankt

Norbert-Denef

.. Meinem Krebs habe ich den Namen ‘Kurt‘ gegeben“  // „Jeden Tag leben, als sei es der letzte“ – Traurige Geschichte von Norbert Denef (Sprecher NetzwerkB): Der Sprecher von NetzwerkB, einer bundesweit und in den Presse-Medien bekannte Organisation, die Opfer bzw. Betroffene von sexualisierter Gewalt vertritt, ist schwer erkrankt. Von Mastdarmkrebs* ist die Rede.

In einer Pressemitteilung am 04.02.2018 verlautbarte Denef, dass ihn „nasse Pupse … in den vergangenen Monaten (s)ein Leben (behinderten).“ Er schreibt: „`Das geht schon wieder vorbei`, dachte ich, und versuchte das unangenehme Problem zu verdrängen. Im Verdrängen war ich ja absolute Spitze: 35 Jahre lang hatte ich über meine in der Kindheit und Jugend erlebte sexualisierte Gewalt nicht gesprochen.“

„Meine alte Welt brach in mir zusammen“
Ein Facharzt hätte ihn untersucht. „Danach schaute er mich an und schwieg“, berichtet Denef weiter. „Diesen Blick werde ich niemals vergessen. Er könne erst genaueres nach der Darmspiegelung sagen und werde umgehend veranlassen, dass ich sofort einen Termin bekäme, sagte er.

Und weiter: „Drei Tage später war es dann so weit: `Sie haben Mastdarmkrebs`, sagte mir der Facharzt. Der pathologische Befund bestätigte: Das Geschwür ist bösartig.

Norbert Denef nimmt zu seiner Krebserkrankung wie folgt Stellung (21.02.2018):

Am 20. Februar 2018 teilten mir die behandelten Ärzte mit, dass mein Rektumkarzinom zunächst mit Chemo- und Bestrahlungstherapie behandelt und Mitte/Ende Mai operativ entfernt wird. Eine Darmverlegung, die unumgänglich sei, könne sehr wahrscheinlich ein viertel Jahr später zurückverlegt werden.

Meine Krebserkrankung hält mich nicht davon ab, (…)  Mitte/Ende April – bei dem geplanten ersten Treffen der neuen Mitgliedschaft der Päpstl. Kinderschutzkommission – vorzustellen und einen Diskurs zu führen.“ Quelle: NetzwerkB

Update 04.03.2018: Aufgrund meiner Krebserkrankung (Mastdarmkrebs) im Stadium III ist meine Lebenszeit möglicherweise sehr begrenzt. (Quelle: NetzwerkB)

Update 01.03.2018: Ab 05.03.2018 erhält Denef eine intravenöse Chemotherapie die ca. sechs Wochen dauern wird. Dazu schweigt er „zwei Tage vor und 24 Stunden nach der Behandlung. Während dieser Zeit esse ich nur Frischkost und bewege mich ganzheitlich mit einem denefhoop“. Weiter berichtet Denef: „Frischkost, Schweigen und ganzheitliche Bewegung begleitend zur Chemotherapie könnte gesunde Zellen vor der therapeutischen Toxizität schützen. Im Gegensatz dazu scheinen Tumorzellen bei Nahrungskarenz und Bündelung der körpereigenen Kräfte anfälliger für eine zytotoxische Behandlung zu sein“. Quelle NetzwerkB

Über Norbert Denef:

Norbert Denef (* 5. Mai 1949 in Delitzsch) ist Vorsitzender des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt (netzwerkB). NetzwerkB.org (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt) ist eine unabhängige Interessenvertretung – Betroffene setzen sich für die Rechte Betroffener ein, indem sie das gesellschaftliche Schweigen brechen. https://netzwerkb.org/

Denef ist Betroffener sexueller Gewalt
Im 40. Lebensjahr erlitt Denef einen seelischen Zusammenbruch. Er musste lernen, über sein Schicksal zu sprechen, was ihm erstmals im November 1993 in der Familie gelang. Denef erhielt 2003 vom Bistum Magdeburg eine Entschädigung für sein erlittenes Leid angeboten, jedoch in Verbindung mit einer Schweigeverpflichtung. Im Jahre 2005 erhielt er vom Bistum schließlich 25.000 Euro, wobei die Schweigeverpflichtung in dem 2005 geschlossenen Vertrag gestrichen wurde.

Norbert Denef gilt als das erste Opfer in Deutschland, das von der römisch-katholischen Kirche eine Entschädigung erwirken konnte.

Denef leidet bis heute an den Folgen der jahrelangen Gewalt, unter anderem Depressionen und weiteren Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung als Folge von sexueller Gewalt in der Kindheit. 2007 erschien Denefs Buch „Ich wurde sexuell missbraucht“.

Die Abschaffung der Verjährungsfristen bei sexueller Gewalt ist Denefs Lebensinhalt geworden
Norbert Denef reichte eine Petition zur Abschaffung der Verjährungsfristen für Vergehen bei Pädokriminaliät im Zivilrecht ein, die der Deutsche Bundestag im Dezember 2008 ablehnte. Denef kämpft daraufhin vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte dafür, dass im Zivilrecht die Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch abgeschafft wird. Die Klage wurde ohne Angabe einer Begründung abgewiesen.

Am 6. Dezember 2011 wurde Denef auf den Bundesparteitag der SPD als Gastredner eingeladen. Er sprach in seienr Rede über die Situation und Leiden der Opfer. Der Parteitag beschloss einstimmig, sich für eine Aufhebung der Verjährungsfristen im Bundestag einzusetzen.

Hier schauen:

Hungerstreik
Vom 8. Juni bis 24. Juli 2012 befand sich Norbert Denef im Hungerstreik: „Ich bin im Hungerstreik, weil die Bundestagsfraktion der SPD nicht dazu bereit ist, sich im Deutschen Bundestag für die Aufhebung der Verjährungsfristen von sexualisierter Gewalt einzusetzen, gleichwohl sich die Delegierten des Bundesparteitages der SPD am 6. Dezember 2011 eindeutig dafür ausgesprochen haben.“ Dem Hungerstreik schlossen sich weitere Betroffene an.

Polizei verhindert Interview
Am 13. Juli 2012 suchte Denef das Gelände vor dem Reichstag auf, um mit Politikern der SPD ins Gespräch zu kommen. Die Polizei behinderte dabei ein Interview mit der Agentur Reuters. Etwa zeitgleich erreichte die Petition von netzwerkB bei Avaaz über 60.000 Unterschriften. Der Deutsche Bundestag weigerte sich, die Unterschriften anzunehmen. Denef beendete seinen Hungerstreik nach 46 Tagen. Der Gesetzesentwurf der SPD vom 9. Oktober 2010 wurde auf besonderen Geschäftsordnungsantrag hin am 26. September 2012 im Bundestag behandelt.

* Darmkrebs (das heißt: Karzinome des #Kolons und des Rektums) insgesamt rangiert bei den Krebserkrankungen in Deutschland auf Platz zwei und ist die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern und Frauen. Die jährlichen Neuerkrankungen werden auf über 34.000 bei der männlichen und etwas weniger (29.000) bei der weiblichen Bevölkerung Deutschlands geschätzt. Quelle: apotheken-umschau

Je früher Darmkrebs entdeckt wird, desto größer sind die Überlebenschancen der Patienten. Die Prognose für den weiteren Verlauf der Erkrankung hängt davon ab, in welchem Stadium sich der Tumor zum Zeitpunkt der Entdeckung befindet.

Quellen: Eigene Recherchen; Pressemitteilung Norbert Denef; Wikipedia; apotheken-umschau; Foto: NetzwerkB

Über den Autor

Willi Schewski
Mensch // Fotograf // Fotojournalist // Videojournalist // Blogger

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