Muss denn Plastik eine Sünde sein? Oder: Was kann man gegen die Plastik-Flut tun?

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Heute gesündigt, bei einem Lebensmittel-Discounter schwere Glasflaschen gekauft (Jo­gurt, man will ja nicht Plastik!), Geschirrspülmittel (gibt es nur in Plastik-Flasche!) – und auf die Pasta-Mischung im Beutel möchte er nicht verzichten; immerhin: Olivenöl gibt es in der Glas-Flasche. Steht der Verfasser vor dem Milchprodukte Regal, wird er regelrecht erschlagen: Weit und breit Plastik, gelegentlich Pappe – aber 99 % Plastik.

Und dann steckt der Verfasser das Ganze auch noch in eine Plastiktasche. Au backe. Die erste übrigens seit gefühlten 100 Jahren 😉 . Pappe wäre zu dünn für schwere Gläser, die Stofftaschen deutlich zu teuer, außerdem hat der Verfasser schon 10 solcher Tüten aus Stoff von diversen PR- und Werbe-Agenturen als Geschenk im Büro liegen – was sollen die da? Ok, Plastik-Tüten sind eine Sünde – und das sie noch angeboten werden auch – und die Dinger stinken bestialisch!

„Jemand muss dieses scheiß Problem lösen!“ Robert Habeck, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Unglaublich und verärgernd. Noch-Umwelt-Minister in Schleswig-Holstein, Dr. Robert Habeck* hat ja Recht, wie er bei „Hart aber Fair“ sagte (und er kam damit massiv in die Bredouille mit dem Hauptgeschäftsführer des Kunststofferzeuger-Verbands „Plastics Europe Deutschland“, Rüdiger Baunemann): Verantwortlich für die Masse an Plastik in Wirtschaft und Industrie, hier stark auch in der Lebensmittelindustrie und im Handel, ist die Verpackungsindustrie.

Wir Konsumenten (nein, kein Qualitätsmedien-Neusprech „Verbraucher“!) stehen in Abhängigkeit, was uns der Laden und die Industrie vorsetzt: nämlich Plastik, Plastik, Plastik – zu viel von dem Zeug! Die immer und überall postulierte „Macht des Konsumenten“ ist eine Plattitüde. Welche Alternativen hätte er denn? Bioläden sind meist zu teuer, ist was für die Oberschicht – zynischerweise werden immer mehr, wo Luxusgebäude entstehen, Bioläden platziert – klar, wo das Kapital lockt.

Alternativen wären:
Möglichst auf Plastik verzichten, plastikfasten? oder noch im Markt von Plastik und andere Verpackung entfernen. Mehr auf dem Markt kaufen, mehr Einkaufgenossenschaften gründen/nutzen, mehr im eigenen Schreber-/Garten ernten, mehr Lebensmittel-Tauschringe nutzen; der Kulturhof Flensburg bietet so was an.

Ebenso interessant: Flensburger Marktschwärmer (gibt es auch in anderen Städten, siehe hier). Zudem gibt es in Flensburg diverse Stellen, wo man übrig gebliebene Lebensmittel, die noch verzehrfähig sein, abholen/teilen kann, so genanntes foodsharing – unter anderem im Kulturhof Flensburg (Große Straße 42 – 44) und auch bundesweit!

Nachteil: Man muss unter Umständen längere Lauf- bzw. Fahrtwege in Kauf nehmen, in der Innenstadt ist es schwer mit dem Parken, aber Fahrradfahren ist ja auch gesund. Doof allerdings für Menschen mit körperlichen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen – da hilft dann grundsätzlich nur noch das Plastikzeug im Discounter.

Leider, leider, sind viele Lebensmittelläden, Tante-Emma-Läden auch in Flensburg ausgestorben. Der Verfasser erinnert sich noch, dass er als Kind in Husum (Nordfriesland) zwei Tante-Emma-Läden und einen Drogisten, wo es auch Schulhefte etc. gab – im Umkreis von 200 Metern!

Ähnlich in Flensburg der 1990er Jahre: Einen Tante-Emma-Läden und Drogisten in der gleichen Straße. Man war das gut. Und heute? Großer Mist – wir sollten alle mal darüber sinnen, was für ein Unsinn der global explodierender Kapitalismus uns brachte. Vielleicht hätte jemand Lust, solche Läden wieder zum Leben zu erwecken? Guten Tag.

Wie man es richtig gut machen kann – und über ein entsprechendes Einkommen verfügt (wie wissen: nicht jeder in diesem Land kann umweltgerecht handeln, es ist eine Einkommens-Frage, das MUSS man so nennen!), zeigt Kerstin Mommsen.

„Jemand muss dieses scheiß Problem lösen!“ Robert Habeck, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sieht beim Thema Müll und Umweltschutz klar die Politik in der Verantwortung

Über den Autor

Willi Schewski
Mensch // Fotograf // Fotojournalist // Videojournalist // Blogger

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