Messerangst in Deutschland: Reine Panikmache oder berechtigt? Was ist zu tun?

Foto: Schaufenster. Frei verkäufliche Messer in der Flensburger InnenstadtFoto: Schaufenster. Frei verkäufliche Messer in der Flensburger Innenstadt

Hinweis: Artikel aktualisiert und erweitert!

Die Angst geht rum, wenn man sich die sogenannten Statistiken und Berichte über tödliche Messerattacken in ganz Deutschland anschaut: gefühlt zumindest. Die Zahl der Messer-Angriffe, so wird in diversen Presseberichten kolportiert, habe in Deutschland "dramatisch zugenommen". Alleine in Flensburg wurden innerhalb eines Jahres zwei junge Menschen totgestochen: Ein 18-Jähriger hatte am 12.03.2018 seine Freundin (17) erstochen. Am 16.07.2017 wird ein 20-Jähriger in der Haustür seiner Eltern erstochen, mit einem Butterflymesser.

Und ein weiteres Ereignis in Flensburg - wieder eine Messerattacke:
Am 30.05.18 kam es in einem Zug, der von Köln Richtung Flensburg fuhr, zu einem Vorfall. Ein Fahrgast, eine 22-jährige Polizeibeamtin, war im Begriff, sich in dem in den Flensburger Bahnhof einfahrenden Zug zur Ausgangstür zu begeben, als sie von dem mutmaßlichen Täter angegriffen und mit einem Küchenmesser verletzt wurde. Ein mitreisender 35-jähriger Mann hörte die Hilferufe der Frau und kam ihr umgehend zur Hilfe. Es gelang ihm, die beiden zu trennen. Dabei ging er zu Boden.

Er wurde ebenfalls attackiert, erlitt eine schwere Stichverletzung und brach sich während der Auseinandersetzung den Arm. Nach bisherigen Erkenntnissen zog die Polizeibeamtin ihre Dienstwaffe und schoss auf den Tatverdächtigen. Der mutmaßliche Angreifer wurde tödlich verletzt.

Schauen wir nach Berlin. Dort gab es gleich mehrere Messerattacken: Ein Siebenjähriger (sic!) sticht seiner Lehrerin ein Messer in den Bauch. Ein 14-Jähriger tötet auf einem Spielplatz einen Mann. Am 10.03.2018 ersticht ein 14-Jähriges Mädchen eine 15-Jährige aus ihrem Bekanntenkreis.

2017 gab es in Berlin pro Tag im Schnitt sieben Messer-Attacken. Im gesamten Jahr 2737. Das sind rund 100 mehr als im Jahr zuvor, 300 mehr als vor zehn Jah­ren. Von 1828 Tatverdächtigen waren 271 noch jugendlich, 80 Kinder unter 14 Jahren.

Weitere Orte der Verbrechen: Am 20.02.2018 ersticht in Kandel (Südpfalz) ein Asylsuchender ein gleichaltriges deutsches Mädchen in einem Supermarkt.

Am 23.02.18 ersticht in Dortmund ein 16-Jähriges Mädchen ihre 15-Jährige Bekannte. In Lünen wird ein Schüler (14) von seinem Mitschüler (15) auf einem Schulflur erstochen. Im religiösen Eifer sticht ein Mann mit einem Messer auf Kunden eines Hamburger Supermarktes ein. Ein Mann stirbt.

12.04.2018: Hamburg: Nigerianer ersticht mitten in der Hamburger Innenstadt, am S-Bahnhof Jungfernstieg, Frau & Kind!

Am 06.06.2018: 14-jährige Susanna aus Mainz vergewaltigt und erstochen.  

Am 11.06.2018: Tödliche Messerstiche in Viersen, Mädchen (15) tot, möglicher Tatverdächtiger (17) stellt sich (hier lesen). 

14.06.2018: RENDSBURG-KRONWERK:25-Jähriger stirbt nach Messerattacke – Quelle: https://www.shz.de/20132822 ©2018

 

Sprechen wir hier von einer Messer-Tötungs-Epedimie?

 

Die Kriminal-Statistik lügt, oder lügt sie doch nicht?
Laut Kriminal-Statistik soll die Zahl der Messer-Attacken in Hessen seit 2014 jährlich von 926 auf zuletzt 1194 Fälle gestiegen sein.

In NRW soll es seit September 2017 bereits zu 572 Messer-Angriffen gekommen sein.

In Sachsen soll die Zahl der Messer-Angriffe im Jahr 2017 (138 Fälle) rund 300 Prozent höher sein als im Jahr 2011 (33 Fälle).

In einem TV-Bericht beim ARD-Politmagazin "Kontraste" heißt es dazu (ab Min. 15): "Seit 2015 werden bei tätlichen Auseinandersetzungen immer häufiger Messer benutzt. Die Täter sind meist junge Männer, mancherorts sind Ausländer bzw. Flüchtlinge klar überrepräsentiert.

Anstieg der Anzahl von nichtdeutschen Gewalt-Tatverdächtigen
In dem TV-Bericht kam Prof. Dr. Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZAHW) zu Wort. Er hat an der in dem Beitrag genannten Studie "Zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland" mitgewirkt. Die Auswertung ergab, dass die Auswertungen der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen, dass es im Vergleich der Jahre 2015 und 2016 zu einem merklichen Anstieg der Jugendgewalt gekommen sei.

Die Tatverdächtigenbelastungszahl zu 14- bis unter 18-jährigen habe sich auf 705,6 und damit um 12,3 % erhöht. Differenzierte Analysen können belegen, dass dieser Anstieg primär bei nichtdeutschen Tatverdächtigen zu beobachten sei: Die Belastungszahl habe sich bei dieser Gruppe innerhalb eines Jahres um 21,4 % erhöht, während sie bei den

Deutschen nahezu konstant geblieben sei (plus 3,1 %). Auch wenn die Belastungszahlen der Jahre 2015 und 2016 zu den nichtdeutschen Jugendlichen zurückhaltend zu interpretieren seien, da nicht mit Sicherheit bekannt sei, wie sich im Zuge des Zuzugs von Flüchtlingen die Bevölkerungszahlen entwickelt haben, so verweisen diese Befunde auf ein wichtiges Problemfeld: die Integration von Migrantinnen und Migranten im Allgemeinen und von Flüchtlingen im Besonderen." (Zusammenfassung_Gutachten_Entwicklung_Gewalt)

Beim WDR TV-Magazin "Geht´s noch - Zeit für Lösungen" wird das Thema heiß diskutiert, siehe bei Facebook:

Ferner wird berichtet, dass  die "Bereitschaft wegen Nichtigkeiten zum Messer zu greifen,  ...deutlich zu (nehme)". Hier die Sendung nachgucken.

Doch STOPP: Es geht in diesem Blog-Artikel weniger um die Verbrechen als solches sondern darum, wie man sie verhindern, einschränken kann. Wie kann Prävention greifen? Noch einmal: Die Zahl der Messerattacken scheint - gefühlt - zu steigen. Doch was dagegen tun? Hier ein paar Vorschläge:

Methode 1: Strafen erhöhen:
Die Gewerkschaft der Polizei fordert gezielte Stiche gegen andere Menschen künftig als versuchtes Tötungsdelikt einzustufen und nicht nur als gefährliche Körperverletzung.

Methode 2: Schärfere Kontrollen in der Öffentlichkeit:
In Wiesbaden reklamiert der Polizeipräsident von Westhessen nach einer Messerstecherei auf einem Straßenfest eine Waffenverbotszone für die Innenstadt – mit Bußgeldern von 150 Euro für alle, die mit Messer in der Tasche erwischt werden.

Hinweis: Es bestehen nach dem Waffenrecht bereits scharfe Strafen. Für das Besitzen (in der Schublade liegen reicht!) oder Führen (im Handschuhfach liegen reicht!) eines Butterfly-Messers drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. Wir reden hier von Freiheitsstrafe, Gefängnis - nicht Bewährung. Sollte das nicht reichen? Oder wie viel höher? Fünf Jahre?

Als „verbotene Waffen“ gehören:
Hieb und Stoßwaffen
Springmesser über 8,5 cm
Fallmesser über 8,5 cm
Faustmesser
Butterflymesser.

Methode 3: Messer verbieten!
Thomas Fischer, Ex-Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe (Kolumne „Fischer im Recht"), kommt mit dieser Idee: Er meint, dass man "alle Shops für die Freunde des schönen Hobbies des Kampfmesser-Sammelns schließen" (solle). Auf amerikanische Messerimporte schlug er 5.000 Prozent Strafsteuern vor. Und bei Jagdscheininhabern können man Razzien durchführen. So könne man dem Abstechen auch insoweit einen Riegel vorschieben" Quelle Meedia https://bit.ly/2GB0Nl0

Der Verfasser meint: keine schlecht Idee. Man besuche nur den weltweit größten Onlineshop "Amazon" im Internet. Massen an Messern werden da verkauft. Ein Eldorado für Ängstliche, mutmaßliche Kriminelle, oder einfach nur Schisshasen, die meinen sich mit einem Messer sicherer zu fühlen. Damit muss Schluss sein!

Doch neben dem Online-Erwerb kann man Messer auch in Einzelhandel kaufen. So gibt es alleine drei Fach-Geschäfte in der Flensburger Innenstadt, wo es möglich ist, Messer aller Couleur zu erwerben. Doch nicht nur für die Freizeit? Sport, Abenteuer?

Fazit: Es scheint, wenn auch "nur" gefühlt, eine Art "Messser-Angst" unter der Bevölkerung zu existieren. Es vergehen kaum Tage, an denen nicht Meldungen über gefährliche oder tödliche Messerangriffe bekannt werden. "Wie kommt es, dass die Zahl der Messerattacken ins Unendliche wächst, - während die Zahl der angezeigten gefährlichen Körperverletzungen nicht recht mithalten kann (2010: 142.000; 2016: 140.000). Sind Pfefferspray und Schlagring auf dem Rückzug? Aber vorerst man weiß man noch gar nichts.

Es ist ja nur so ein Gefühl mit den Messern.

Es ist an der Zeit zu handeln. Massive Strafzölle auf Amazon und Co. müssen erhoben werden - oder den Verkauf von Messern gleich verbieten. Razzien bei allen Jagdscheininhabern durchführen, Geschäfte schließen, wo Messer verkauft werden, die nur den Zweck haben, Menschen zu verletzten oder zu töten. Durchgreifen, handeln ist die Devise - nicht totwarten!

Aktuell Vorschläge aus der Politik: Bundesweite Einführung einer erweiterten Polizei-Statistik (Messer als Tatwaffe)
Nicht in allen Bundesländern wird das Messer als Tatwaffe gesondert in der Polizeistatistik aufgeführt. Das soll sich ab 2019 in NRW ändern, eine gesonderte Polizei-Statistik (Messer als Tatwaffe) soll eingeführt werden. In Berlin und Hessen wird so eine Statistik schon seit einigen Jahren geführt (siehe weiter oben). In Hessen habe es eine "deutliche Zunahme der Toten durch Messerattacken" gegeben sagt Innenminister Beuth (CDU). Er fordert eine Waffenverbotszonen wie in Hamburg (Reeperbahn), andere Länder wollten Beuths Vorschlag nun prüfen. (Quelle: WDR)

Doch was nützen Waffenverbotszonen, wenn außerhalb der Zonen zugestochen wird?
Der Kriminologe Christian Pfeiffer und ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, sagte im WDR (12.06.2018), dass man "mit ihnen (Anmerkung: den Menschen, die Stichwaffen bei sich tragen) "debattieren" solle, um die Frage zu klären "wozu braucht man überhaupt ein Messer?". "In den Köpfen" müsse sich "was bewegen". Dem Machotum müsse begegnet werden, hieß es abschließend.

Es bleibt viel zu tun. Alleine Verbote sind nur erste Maßnahmen. Wichtig wäre es, an den Ursachen heranzugehen. Diese sind unterschiedlich. Grundsätzlich spielen eigene Gewalterfahrung (in der Kindheit, in der Familie) eine bedeutende Rolle, aber auch Angst, Unerfahrenheit (mit Unsicherheiten und Frustrationssituationen), zweifelhafte kulturelle Gepflogenheiten und Erziehung dürften Wurzeln sein. Es ist an der Zeit, über alles zu diskutieren!

Über den Autor

Willi Schewski
Mensch // Fotograf // Fotojournalist // Videojournalist // Blogger

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