Landtagswahl Schleswig-Holstein 2017: #verdischlampe Eklat bei der NDR-Wahlarena

Bild: Gabi SchwohnBild: Gabi Schwohn

„Sie haben mich mal Verdi-Schlampe genannt. Im Landtag. Werde ich nicht vergessen.“ Gabi Schwohn, Zitat NDR-Wahlarena vom 25.04.2017 // Vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 7. Mai haben sich Torsten Albig (SPD) und Daniel Günther (CDU) im NDR Fernsehen einen sachlichen Schlagabtausch geliefert. Gegen Ende der Sendung (ab Min. 52) kam es zu einem Eklat: Besucher konnten den Kandidaten Fragen stellen. Als es zum Thema Flüchtlinge und Wohnungen kam, meldete sich eine Dame, die sich als Gabi Schwohn vorstellte. Sie ist stellvertretende Landesbezirksvorsitzende beim ver.di Landesbezirk Nord und aktives SPD-Kreisvorstandsmitglied in Flensburg (im Bild: Archiv). Die neueste Entwicklung in dem Fall siehe weiter unten unter „Update“

Eh sie die eigentliche Frage stellte, sagt sie:

„Ich hab jetzt ein bisschen Schwierigkeiten, weil Herr Günther ja mit Gewerkschaften nicht so viel am Hut hat, kein Freund von Gewerkschaften ist.“

Daniel Günther schüttelt etwas irritiert den Kopf und guckt nach unten.

Moderator Andreas Cichowicz: „Das wissen wir nicht. Das wollen wir jetzt auch nicht klären, wir wollen zum Thema Flüchtlinge eine Frage haben.“

Schwohn: „Das ist leider so, da bin ich auch betroffen.“

Günther: „Aha.“

Schwohn: „Ja, Sie haben mich mal Verdi-Schlampe genannt. Im Landtag. Werde ich nicht vergessen.“

Günther: „Pfff“

Schwohn: „Aber wir kommen zu dem -“

Moderator unterbricht: „Ist das so gewesen? Einen Moment, ist das so gewesen?“

Jetzt sprechen alle gleichzeitig

Günther: „Also jetzt mal nun wirklich.“

Schwohn: „Das ist tatsächlich -“

Moderator: „Lassen Sie uns doch, lassen Sie uns doch -“

Schwohn: „Gut.“

Günther: „Na also. Bei aller Liebe.“

Moderator: „Wir können das jetzt nicht, wir können das jetzt nicht klären.“

Schwohn: „Ich komme zu meiner Frage zu den Flüchtlingen.“

Günther: „Eine solche Wortwahl, Frau Schwohn, ist mir nun wirklich fremd. Sowas zu behaupten, dass ich Sie als… so bezeichnet habe.“

Schwohn fällt ins Wort: „Das können Sie nachlesen.“

Günther: „Ne, das können sie – wo wollen Sie das nachlesen? Ich habe das in meinem Leben noch nie gesagt. Noch nie zu Ihnen, zu einem anderen Menschen. Also das finde ich wirklich ungeheuerlich, mir sowas vorzuwerfen.“

Moderator: „Wir werden, wir werden der Frage nochmal nachgehen.“

Schwohn: „Gern, ok. Gut.“

Moderator: „Ich würde trotzdem drum bitten, dass wenn ich Sie zu einer Frage aufrufe, Sie bei dem Thema auch bleiben. “

Um den Disput beizulegen, versprach Moderator Andreas Cichowicz, man werde den Sachverhalt nach der Sendung noch einmal aufklären.

Der Vorwurf bleibt unbewiesen. Die CDU fordert eine öffentliche Distanzierung von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und SPD-Landeschef Ralf Stegner bis Mittwoch um 17 Uhr. Laut CDU behält sich Günther auch rechtliche Schritte vor.

Beim NDR lesen wir: „Der Begriff ‚ver.di-Schlampe‘ sei nachweislich nicht im schleswig-holsteinischen Landtag protokolliert worden, weder im Plenarprotokoll noch in einem Ausschussprotokoll“, sagte ein Sprecher des Landtags.“

Hier die ganze Sendung gucken (Link)

Reaktionen:

Update: 28.04.2017: Eidesstattliche Versicherungen
Wie der shz berichtet, soll der Vorwurf in eidesstattlichen Versicherungen für eine eventuelle gerichtliche Auseinandersetzung festgehalten worden sein. Dieses ginge aus Schreiben des Anwalts von Frau Schwohn hervor, dass dem sh:z vorliege. Die abfälligen Günther Äußerungen sollen „im Vorbeigehen nach einer Sitzung des Bildungsausschusses des Landtags im September 2014“ gefallen sein. Quelle: shz

Der SPD-Vorsitzende Florian Matz sagte gegenüber taz: „Den Vorwurf kenne ich schon länger. Ich habe aber keine Ahnung, ob das stimmt oder nicht. Ich habe jedenfalls nichts davon gewusst, dass Frau Schwohn in der Wahlarena ist.“

Alles erledigt? CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther bestätigte, dass sich Stegner vom Verhalten der Frau distanziert habe. „Für mich ist diese Sache damit erledigt“, sagte Günther. Quelle: NDR

27.04.2017: Der bizarre Skandal um die Flensburger Gewerkschafterin und SPD-Mitglied Gaby Schwohn & den CDU-Spitzenkandidaten Günther schaffte es sogar bis in die ARD-Sendung #Tagesthemen vom 28.4.. Hier gucken.
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Update: 26.04.2017, 18_30 Uhr: Daniel Günther: Wir werden der SPD-Schmutzkampagne nicht auf den Leim gehen
Nach der Weigerung des SPD-Spitzenkandidaten Torsten Albig und des SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner, sich vom Verhalten des Mitglieds des SPD-Kreisvorstandes Flensburg in der NDR-Wahlarena zu distanzieren geschweige denn, sich dafür im Namen ihrer Partei zu entschuldigen, erklärt der CDU-Landesvorsitzende Daniel Günther:

„Ich nehme zur Kenntnis, dass sowohl SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig als auch SPD-Landeschef Ralf Stegner die öffentliche Diskreditierung eines demokratischen Mitbewerbers unter Verwendung unwahrer Behauptungen durch eine Funktionsträgerin ihrer Partei offenbar als normalen Wahlkampfstil empfinden. Sonst hätten sie die Chance genutzt, dazu Stellung zu nehmen.“

Stattdessen hätten beide ihren Landesgeschäftsführer eine Erklärung abgeben lassen, in der dieser sich noch nicht einmal zur SPD-Mitgliedschaft geschweige denn zur Funktion als Mitglied des SPD-Kreisvorstandes Flensburg Schwohns bekannte.
Der in der Sendung vor 270.000 Fernsehzuschauern von Gabi Schwohn erhobene schwerwiegende Vorwurf, Günther habe sie „mal Ver.di-Schlampe im Landtag genannt `das können wir nachlesen`, habe sich nachweislich als falsch herausgestellt. Die CDU werde deshalb angesichts der erfolgten Klarstellung über die Unwahrheit der Behauptungen von rechtlichen Schritten absehen.

„Offenbar ist es also im Sinne von Albig und Stegner, wenn SPD-Funktionsträger durch eine Schmutzkampagne von Albigs Leistung in der Wahlarena und dem Versagen der Landesregierung ablenken. Auf den Leim gehen wir der SPD nicht“, sagt Günther.

Nach der verfassungswidrigen Wahlwerbung aus SPD-Ministerien und der Falschaussage im Wahl-O-Mat sei klar, dass die SPD im Wahlkampf vor allem auf solche groben Fouls setze.

„Wir werden an unserem fairen Wahlkampfstil festhalten und uns nicht auf dieses Niveau begeben. Wir werden bis zum 07. Mai thematisieren, wie wenig die SPD aus den 2,5 Milliarden Euro Mehreinnahmen für die Menschen in diesem Land gemacht hat und unsere Vorstellungen von einer besseren Bildungspolitik, mehr Investitionen in Infrastruktur und mehr Rückendeckung für unsere Polizisten in den Mittelpunkt stellen“, sagte Günther.

Foto: Gabi Schwohn (Archiv)
Fotograf: Willi Schewski 1. Mai-Kundgebung auf dem Flensburger Suedermarkt; im Bild: Gabi Schwohn, Vorsitzende des DGB-Stadtverbandes, Flensburg

Über den Autor

Willi Schewski
Seit 2008: mobile journalist, Multimedia Storyteller. Mobiler Reporter. Fotojournalist. Fotograf. Blogger