Flensburg: 491 Flüchtlinge haben einen Job gefunden / Die Mär vom „Fachkräftemangel“

Flüchtling Gastronomie

491 Asylsuchende haben bis Ende vergangenen Jahres einen Arbeitsvertrag in Flensburg bekommen. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten heute mit. Die NGG beruft sich hierbei auf eine neue Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach sei die Zahl der berufstätigen Flüchtlinge aus den acht wichtigsten Herkunftsländern – darunter Syrien, Afghanistan und der Irak – stark angestiegen. Vor drei Jahren zählte die Arbeitsagentur in Flensburg noch 158 Asylsuchende mit einem Arbeitsvertrag.

Die Zahlen zeigen, dass ein großer Teil der Menschen, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind, im Berufsleben Fuß fassen konnte. Und zwar trotz Sprachbarrieren und teils enormer bürokratischer Hürden“, sagt NGG-Regionalchef Finn Petersen. Positiv wertet der Gewerkschafter den steigenden Anteil regulärer Jobs. Laut Statistik waren im Stadtgebiet 66 Prozent der erwerbstätigen Flüchtlinge sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Diese Menschen verdienen ihr eigenes Geld, sie zahlen Steuern und Sozialbeiträge“, sagte Petersen.

Dabei könne Zuwanderung ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel* sein. Gerade auch das Ernährungsgewerbe suche händeringend Nachwuchs, betont Petersen. „Hotels, Gaststätten, aber auch Bäckereien, Brauereien und die Lebensmittelverarbeitung haben jahrzehntelange Erfahrungen mit Zuwanderern.“ Die Wirtschaft könne wie schon in den 1960er- und 1970er-Jahren ein „Integrationsmotor“ sein. Die Botschaft des Gewerkschafters an die Adresse der Betriebe aber ist klar: „Unternehmer dürfen die Geflüchteten nicht als billige Arbeitskräfte ausnutzen. Es darf keine Zwei-Klassen-Belegschaften und auch keine Ausnahmen beim Mindestlohn oder den Dokumentationspflichten – also beim Festhalten der Arbeitszeiten – geben.“ Denn der Azubi- und Arbeitskräftemangel sei etwa im Gastgewerbe auch durch teils unattraktive Arbeitsbedingungen hausgemacht.

Zwar wollten viele Flüchtlinge möglichst schnell Geld verdienen, um ihre Familien zu unterstützen. „Doch allein mit Helfer-Jobs gibt es kaum solide Berufsperspektiven in Deutschland. Wichtig ist, dass die Flüchtlinge ins duale Ausbildungssystem kommen. ,Azubi statt Aushilfe‘ muss auch die Devise der Unternehmen sein“, sagt Petersen. Laut Statistik waren in Flensburg Ende vergangenen Jahres 62 Azubis mit einem Fluchthintergrund gemeldet.

Damit die Integration am Arbeitsmarkt weiter vorankomme, müsse insbesondere die Politik mehr tun. „Es kann nicht sein, dass immer wieder auch Flüchtlinge, die im Betrieb engagiert sind und gut Deutsch sprechen, von einem Tag auf den anderen abgeschoben werden“, kritisiert Petersen. Diese Menschen hätten eine Bleibe-Chance verdient. ### Ende Bericht ### Foto- und Textquelle: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Was die Gewerkschaft als Fachkräftemangel bezeichnet, muss man differenziert betrachten. In einem ARD-Beitrag „Der Arbeitsmarktreport – das Märchen vom Fachkräftemangel | ARD Reportage vom 21.07.2014“ kann man sich ein besseres Bild machen

Da heißt es nämlich: Tatsächlich lenkt der lautstarke Hilferuf bewusst ab von gewichtigen Problemen: Lohndumping und Arbeitslosigkeit. Akteure in diesem Spiel sind Lobbyverbände der Wirtschaft, die zusammen mit den Politikern und der Bundesagentur für Arbeit den Arbeitskräftemarkt in Deutschland gestalten.

Kein flächendeckender Fachkräftemangel in Deutschland
Das Manager-Magazin berichtet: Um es vorweg zu nehmen: Der Fachkräftemangel ist real. Nur nicht so, wie er gern dargestellt wird. Im Dezember erschien die so genannte Fachkräfteengpassanalyse der Agentur für Arbeit. Gleich auf Seite 4 findet der Leser eine erstaunliche Information, die vielen in Politik und Lobbyverbänden nicht wirklich schmecken dürfte: „Aktuell zeigt sich nach der Analyse der Bundesagentur für Arbeit kein flächendeckender Fachkräftemangel in Deutschland.“ Quelle: Manager Magazin

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Willi Schewski
Mensch // Fotograf // Fotojournalist // Videojournalist // Blogger

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