„Bistum Magdeburg hat Schuld an Krebserkrankung“ – Norbert Denef fordert eine Million Euro Schadenersatz

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// „Opfer haben gute Chancen auf Schadensersatz*“ // Anfang März 2018 hatte Norbert Denef, der Vorsitzende des Opferverbandes netzwerkB, mitgeteilt, das er an Krebs erkrankt sei. Was Denef in der Folge erleben musste, kann man nicht anders als die Hölle auf Erden beschreiben. Denef nimmt zu seiner Krebserkrankung wie folgt sehr privat und direkt Stellung:

„Erst kürzlich wurde mir bewusst, dass mein Darmkrebs die Folge meiner Missbrauchs-Problematik ist.
Mein Hausarzt hat mich in den vergangenen Jahren immer wieder gedrängt, eine Darmspiegelung machen zu lassen. Ich sei stark gefährdet, weil mein Vater mit 56 Jahren an Darmkrebs gestorben ist.

Wegen der sexualisierten Gewalt war es mir undenkbar, jemanden in meinen Hintern schauen zu lassen. Ich lehnte deshalb permanent eine solche Untersuchung ab.

Als Kind wurde ich sechs Jahre lang von einem Priester vergewaltigt.
Der damalige Bischof von Magdeburg hatte den Serientäter Pfarrer Alfons Kamphusmann immer wieder in dem Wissen versetzt, dass dieser Kinder missbrauchte.

Es waren sieben verschiedene Gemeinden! Das Bistum Magdeburg hat die Verbrechen bewusst verschwiegen, verleugnet, vertuscht – und mit verschuldet.

Mit vorsorglicher Darmspiegelung lässt sich Darmkrebs fast zu 100% vermeiden. Durch rechtzeitiges Entfernen von Darmpolypen können über 80% aller Darmkrebserkrankungen verhindert werden.

Da mich die posttraumatische Belastungsstörung in Folge der Missbrauchs-Problematik blockierte, kam keine Darmspiegelung für mich in Frage.

Schuld am Ausbruch meiner Krebserkrankung trägt also das Bistum Magdeburg. Vom Bistum Magdeburg fordere ich daher eine Million Euro Schadensersatz.“ ## Ende Pressemitteilung ##

Nachfolgend Denefs Schreiben vom 20.11.2018 an das Bistum Magdeburg mit der Schadensersatzforderung (als PDF zum Herunterladen: netzwerkb.org/wp-content/uploads/2018/11/2018-11-20_Bischof-Feige.pdf)

Quelle: netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
www.netzwerkB.org

*Opfer haben gute Chancen auf Schadensersatz
Opfer hätten „gute Chancen auf Schadensersatz“, meint der Hamburger Jura-Professor Reinhard Merkel. Er ermutigt Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Amtsträger „Schadensersatzansprüche geltend zu machen“. Das sei auch dann möglich, wenn der Täter nicht mehr am Leben sei, erklärte Merkel im Deutschlandfunk.

„Ich meine, die Chancen wären gut, wenigstens einen Schadensersatzanspruch in Verbindung mit einem fairen Anspruch auf Schmerzensgeld von der Kirche einzuklagen“, so Merkel. Das richte sich nicht nur gegen den jeweiligen Täter, sondern auch gegen die Institution. Die Institution „treffe gegebenenfalls ein eigenes Verschulden, mindestens ein Überwachungsverschulden“. Überwachung hätte sexuellen Missbrauch unmöglich gemacht oder deutlich erschwert, so Merkel.

Merkel gehört zu einer Gruppe von sechs Strafrechtlern, die am 26. Oktober Strafanzeigen bei den Staatsanwaltschaften eingereicht haben, die für die 27 Diözesen in Deutschland zuständig sind. Sie sehen die Staatsanwaltschaften in der Pflicht, bei hinreichendem Tatverdacht auf Akten kirchlicher Archive zuzugreifen. Nach dem Erscheinen der sogenannten MHG-Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Amtsträger, die die Deutsche Bischofskonferenz am 25. September vorgestellt hat, forderten sie die Staatsanwaltschaften auf, „Ermittlungsmaßnahmen zur Überführung der Täter“ einzuleiten.

Das Interview mit Reinhard Merkel gehört zu den Recherchen von Sebastian Engelbrecht (Dlf Reporter) für die Sendung „Tag für Tag – Aus Religion und Gesellschaft“ zu den Folgen der MHG-Studie für Betroffene und Beschuldige, insbesondere im Bistum Hildesheim und im Erzbistum Berlin. Die Ergebnisse sind am Donnerstag, dem 22. November sowie am Montag, dem 3. Dezember jeweils um 9.35 Uhr im Deutschlandfunk zu hören. Quelle: Deutschlandfunk

Foto-Quelle: Von NieMehrSchweigenMüssen – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59541879

Über den Autor

Willi Schewski
Mensch // Fotograf // Fotojournalist // Videojournalist // Blogger

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