Norbert Denef (Sprecher „NetzwerkB“) äußert sich zu seiner Krebserkrankung

Norbert-Denef

// "Der Priester, der mich sechs Jahre lang vergewaltigte, wurde vom Vatikan geschützt." // "Vielleicht hätte ich heute keinen Krebs, wenn es die Ausgrenzung durch meine Herkunftsfamilie und das Verschweigen der Verbrechen des Vatikans nicht gegeben hätte" //

"Warum konnte dieses Krebsgeschwür in meinem Darm wachsen, darüber denke ich sehr oft nach", schreibt Norbert Denef (Sprecher "NetzwerkB") in einer Pressemitteilung vom 23.04.2018. Weiter: "Die Schulmediziner sind der Meinung, dass ich einfach nur Pech gehabt hätte: Die Krebszellen hätten sich zufällig an dieser Stelle getroffen und seien deshalb immer größer geworden.

Die Psycho-Experten sagen, dass Krebs durch Ärger, negativen Stress, eine ungesunde Ernährungs- und Lebensweise sowie Bewegungsmangel entstehen könnte.

Forscher konnten jetzt in der Studie "Innervating Prostete Cancer" (netzwerkb.org/wp-content/uploads/2018/04/Innervating-Prostate-Cancer.pdf)

nachweisen, dass es eine Verbindung von Nervenbahnen zwischen gesunden Zellen und Krebszellen gibt. Das bedeutet, dass das Wachstum der Krebszellen über die Nervenverbindungen eine bestimmte Abhängigkeit zu den gesunden Zellen darstellt.

Dass Krebs durch Ärger entstehen kann, hat Julius Hackethal schon vor vielen Jahren behauptet. Bei einem Kongress in Lahnstein sagte er: „Wenn Sie Ärger mit Ihrem Chef haben, kündigen Sie sofort, denn durch Ärger entsteht Krebs.“

Lesetipp: «Totaler Krieg
Ich erkläre mich als im Zustand des totalen Krieges
“Aber für mich ist diese Sache noch nicht erledigt, und solange sie noch nicht erledigt ist, ist der Teufel noch los, und ich unterstütze es, dass Satan los ist. Ich habe über die Sache, wider die ich bin, noch nicht gesiegt; ich habe aber auch noch nicht verloren, und, was das Wichtigste ist, ich habe noch nicht kapituliert. Ich erkläre mich als im Zustand des totalen Krieges”. Fritz Zorn. "Mars".

Diesen Satz hörte ich 1990 während meiner Ausbildung zum Gesundheitsberater bei Dr. Max Otto Bruker.

Meinem „Chef“ kündigen, über den ich mich schon viele Jahre ärgerte, das war nicht so einfach - da ich 35 Jahre lang schwieg, musste ich erst die Sprache dafür erlernen.

1993 war es dann soweit: bei einem Geschwistertreffen, im Beisein der beiden Täter, berichtete ich über meine erlebte sexualisierte Gewalt. Ich beendete damit das Abhängigkeitsverhältnis zu den Tätern.

Von meiner Herkunftsfamilie wurde ich daraufhin ausgegrenzt - bis heute.

Der Priester, der mich sechs Jahre lang vergewaltigte, wurde vom Vatikan geschützt. Die Kirche versuchte mich mit 25.000 Euro wieder zum Schweigen zu bringen. Eine Aufarbeitung der Verbrechen hat bisher nicht stattgefunden.

Gegen das Verschweigen solcher Verbrechen kämpfe ich seit 25 Jahren. Mein langer Weg ist öffentlich bekannt: de.m.wikipedia.org/wiki/Norbert_Denef

Vielleicht hätte ich heute keinen Krebs, wenn es die Ausgrenzung durch meine Herkunftsfamilie und das Verschweigen der Verbrechen des Vatikans nicht gegeben hätte.

Für meine Krebsbehandlung versuche ich alle Kräfte zu bündeln und befinde mich deshalb seit 4.03.2018 in einer Schweigephase."

 
Über Norbert Denef:

Norbert Denef (* 5. Mai 1949 in Delitzsch) ist Vorsitzender des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt (netzwerkB). NetzwerkB.org (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt) ist eine unabhängige Interessenvertretung – Betroffene setzen sich für die Rechte Betroffener ein, indem sie das gesellschaftliche Schweigen brechen. https://netzwerkb.org/

Denef ist Betroffener sexueller Gewalt
Im 40. Lebensjahr erlitt Denef einen seelischen Zusammenbruch. Er musste lernen, über sein Schicksal zu sprechen, was ihm erstmals im November 1993 in der Familie gelang. Denef erhielt 2003 vom Bistum Magdeburg eine Entschädigung für sein erlittenes Leid angeboten, jedoch in Verbindung mit einer Schweigeverpflichtung. Im Jahre 2005 erhielt er vom Bistum schließlich 25.000 Euro, wobei die Schweigeverpflichtung in dem 2005 geschlossenen Vertrag gestrichen wurde.

Norbert Denef gilt als das erste Opfer in Deutschland, das von der römisch-katholischen Kirche eine Entschädigung erwirken konnte.

Denef leidet bis heute an den Folgen der jahrelangen Gewalt, unter anderem Depressionen und weiteren Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung als Folge von sexueller Gewalt in der Kindheit. 2007 erschien Denefs Buch "Ich wurde sexuell missbraucht".

Die Abschaffung der Verjährungsfristen bei sexueller Gewalt ist Denefs Lebensinhalt geworden
Norbert Denef reichte eine Petition zur Abschaffung der Verjährungsfristen für Vergehen bei Pädokriminaliät im Zivilrecht ein, die der Deutsche Bundestag im Dezember 2008 ablehnte. Denef kämpft daraufhin vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte dafür, dass im Zivilrecht die Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch abgeschafft wird. Die Klage wurde ohne Angabe einer Begründung abgewiesen.

Am 6. Dezember 2011 wurde Denef auf den Bundesparteitag der SPD als Gastredner eingeladen. Er sprach in seienr Rede über die Situation und Leiden der Opfer. Der Parteitag beschloss einstimmig, sich für eine Aufhebung der Verjährungsfristen im Bundestag einzusetzen.

Hier schauen:

Hungerstreik
Vom 8. Juni bis 24. Juli 2012 befand sich Norbert Denef im Hungerstreik: „Ich bin im Hungerstreik, weil die Bundestagsfraktion der SPD nicht dazu bereit ist, sich im Deutschen Bundestag für die Aufhebung der Verjährungsfristen von sexualisierter Gewalt einzusetzen, gleichwohl sich die Delegierten des Bundesparteitages der SPD am 6. Dezember 2011 eindeutig dafür ausgesprochen haben.“ Dem Hungerstreik schlossen sich weitere Betroffene an.

Polizei verhindert Interview
Am 13. Juli 2012 suchte Denef das Gelände vor dem Reichstag auf, um mit Politikern der SPD ins Gespräch zu kommen. Die Polizei behinderte dabei ein Interview mit der Agentur Reuters. Etwa zeitgleich erreichte die Petition von netzwerkB bei Avaaz über 60.000 Unterschriften. Der Deutsche Bundestag weigerte sich, die Unterschriften anzunehmen. Denef beendete seinen Hungerstreik nach 46 Tagen. Der Gesetzesentwurf der SPD vom 9. Oktober 2010 wurde auf besonderen Geschäftsordnungsantrag hin am 26. September 2012 im Bundestag behandelt.

* Darmkrebs (das heißt: Karzinome des #Kolons und des Rektums) insgesamt rangiert bei den Krebserkrankungen in Deutschland auf Platz zwei und ist die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern und Frauen. Die jährlichen Neuerkrankungen werden auf über 34.000 bei der männlichen und etwas weniger (29.000) bei der weiblichen Bevölkerung Deutschlands geschätzt. Quelle: apotheken-umschau

Je früher Darmkrebs entdeckt wird, desto größer sind die Überlebenschancen der Patienten. Die Prognose für den weiteren Verlauf der Erkrankung hängt davon ab, in welchem Stadium sich der Tumor zum Zeitpunkt der Entdeckung befindet.

Buch Tipp: "Mars" von Fritz Zorn

»Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch und allein. Ich stamme aus einer der allerbesten Familien des rechten Zürichseeufers, das man auch die Goldküste nennt. Ich bin bürgerlich erzogen worden und mein ganzes Leben lang brav gewesen. Meine Familie ist ziemlich degeneriert, und ich bin vermutlich auch ziemlich erblich belastet und milieugeschädigt. Natürlich habe ich auch Krebs, was aus dem vorher Gesagten eigentlich selbstverständlich hervorgeht.« Mit diesen Sätzen beginnt der junge Schweizer Autor, der sich selbst den Na-men Fritz Zorn gibt, seine Aufzeichnungen, in denen er über sich, seine Herkunft und seine Krebserkrankung berichtet.

Schwere Depressionen und tiefe Traurigkeit hatten den dreißigjährigen Millionärssohn und Gymnasiallehrer veranlasst, psychotherapeuti-sche Hilfe zu suchen. Während seiner Behandlung erfuhr er, dass er an Krebs litt. Die Krankheit wird zum auslösenden Moment der Selbsterfahrung, einer rücksichtslosen Betrachtung des eigenen ungelebten Lebens.

In seinem Krebs sieht Zorn nur die somatische Form seiner Neurose, die ihren Ursprung im Elternhaus am Zürichsee hat; in dieser gespenstigen Familie, in der man Berührungen vermeidet, jede Herausforderung von Realität unter der Magie des Rituals versteckt, jeden Anflug von Sexualität mit dem Begriff der Anständigkeit vertreibt. »Man kann eine Kindheit haben, ohne Kind zu sein; eine Jugend, ohne jung zu sein; erwachsen werden ohne Gegenwart«, schreibt Adolf Muschg in seinem Vorwort zu diesem Buch.

Erst die physischen Qualen der Krebserkrankung durchbrechen den Schutzschild der »Unempfindlichkeit der Seele«, erst der drohende Tod erweckt den Widerstand - gegen die Krankheit, gegen die familiäre und soziale Herkunft, gegen das Nichtlebendürfen. Zorn hat die Veröffentlichung seiner Aufzeichnungen nicht mehr erlebt, er starb 1976 - 32 Jahre alt - an Krebs.

Mars - das Zeugnis eines Todkranken - übt erbitterte Kritik am falschen Ideal und Lebensstil einer Klasse und erregte weltweites Aufsehen.
Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg, der das Manuskript entdeckte und dem Verleger anbot, schreibt in seinem Vorwort in sehr persönlicher Weise über die Entstehung des Buches und seinen Autor.

Auch lesen:

Quellen: Eigene Recherchen; Pressemitteilung Norbert Denef; Wikipedia; apotheken-umschau; Foto: NetzwerkB

Über den Autor

Willi Schewski
Mensch // Fotograf // Fotojournalist // Videojournalist // Blogger

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