Grace Jones: „Bloodlight and Bami“ – mehr als ein famoser Film – es ist ein Denkmal!

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Sie ist eine jamaikanische Sängerin, Model, Schauspielerin und Performancekünstler. Sie ist bekannt für ihre extravagante Kleidung und ausgefallenen Auftritte und ihr gestyltes, androgynes und betont unterkühltes Image. Die Rede ist von Grace (Beverly) Jones, die am 19.05.2018 ihren 70. (!) Geburtstag feierte. Nur wenigen Künstlern, wie Jones, ist es gelungen, durchgehend eine Künstlerkarriere über mehrere Jahrzehnte erfolgreich und erfüllend zu gestalten. Für Musikkritiker Jens Balzer ist Grace Jones daher nichts weniger als eine der wichtigsten Kunstfiguren im Pop.

Und wer so lange als weltweit erfolgreicher Star im Showgeschäft aktiv ist, dem sollte auch mal eine Dokumentation gegönnt sein. Durch Zufall sollte es die Regisseurin Sophie Fiennes werden, die die Diva filmte. Jones lernte Fiennes bei Aufnahmen eines Dokumentarfilms über ihren Bruder Noel kennen. Jones mochte die Britin, fragte sie, ob sie sie mit der Kamera begleiten wolle. Es gab keine Produktionsfirma, kein Skript, keinen Vertrieb. Die Dreharbeiten dauerten über zehn Jahre.

Im September 2017 war es dann soweit: Der Dokumentarfilm feierte auf dem Toronto Film Festival Premiere und lief anschließend in einigen deutschen Kinos. Vor Kurzem ist „Bloodlight and Bami“ auch auf DVD/Blu-ray erschienen. Der Filmtitel leitet sich übrigens aus dem jamaikanischen Slang für das rote Licht in Aufnahmestudios („Bloodlight“) sowie der Bezeichnung einer Art Fladenbrot („Bami“) ab.

Inhalt: Die Regisseurin Sophie Fiennes hatte Grace Jones zehn Jahre lang auf Schritt und Tritt begleitet. Wir erhaschen Blicke hinter die Kulissen und auf die Persönlichkeit von Grace Jones. Wir erfahren wie Jones in einem Telefonat ihrem Manager zur Sau macht oder wie sie in Jamaika in der Dämmerung in einer Lagune schwimmt. Wir sehen Jones in einem Pariser Luxushotel beim Champagnerfrühstück, sie wirkt saumselig, als hätte sie schon den einen oder anderen Champagner vor dem Frühstück gehabt.

Und wir erfahren Grace Jones ungeschminkt: Grace Jones derangiert, Grace Jones besoffen, Grace Jones im Kreise der Familie, sie erinnert sich an den brutalen Stiefvater ihrer Kindheit. Jones erzählt von der strengen religiösen Erziehung, von Schlägen und Misshandlungen, die sie und ihre Geschwister durch den Mann ihrer Großmutter zu erleiden hatten.

Ein Star ist jemand, dem man gerne zuschaut, auch wenn er belanglose Dinge tut, soll Warhol mal gesagt haben. Ein Star, das ist auch die Jones, keine Frage, und es macht Bock, sie zu beobachten, stundenlang. Und überhaupt: es gab lange keinen Film mehr, der einen berühmten Musiker so gut erklärt, ohne überhaupt irgendetwas zu erklären, wie „Bloodlight and Bami“; denn er ist viel mehr als ein famoser Film über eine famose Künstlerin: Regisseurin Sophie Fiennes setzte Grace Jones ein Denkmal!

Trailer (deutsch)

Grace Jones und Regisseurin Sophie Fiennes sprechen über Grace Jones: „Bloodlight and Bami“ im „Film Society of Lincoln Center“ (New York, USA), moderiert von Piotr Orlov

Über den Autor

Willi Schewski
Mensch // Fotograf // Fotojournalist // Videojournalist // Blogger

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